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Audi RS 4 Roadtest – Himmel und Hölle

Wolf im roten Schafspelz

Audi RS 4 Avant auf dem Weg nach Le Mans

5 Tage! So lange stand mir ein von der Audi AG überlassener RS 4 Avant zur Verfügung. 5 Tage um mich zum 24h Rennen nach Le Mans zu bringen, dort zu begleiten und wieder nach Hause zu fahren.
5 Tage in denen ich jubeln und jammern durfte. Aber der Reihe nach.

Donnerstag nachmittag parkte er vor der Tür, mein Begleiter für meinen Trip nach Le Mans. Farblich perfekt getroffen stand der Misanorote Edelkombi auf dem Parkplatz. Das Farbspiel mit den aluminiumfarbenen Komponenten aus dem Optikpaket Aluminium matt passt wundervoll, geben diese dem Wagen doch eine gewisse Leichtigkeit und setzen schicke Akzente. Wären die Frontlippe, Dachleisten, Spiegel ua. in schwarz würde alles viel schwerer und irgendwie zu massiv wirken. Das hier kein Standardkombi aus Ingolstadt steht vermittelt auch die Bereifung. Tief und gedrungen, ja quasi zum Absprung bereit pressen sich die 19″ Zoll Räder mit 265/35 Bereifung in  den Asphalt.

Audi RS 4 Avant auf dem Weg nach Le Mans

Schnell sind die wenigen Reise Utensilien im Kofferraum verschwunden und gediegen verschließt sich die Klappe auf Knopfdruck. Ich genieße den Anblick der beiden ovalen Endrohre. Jubilee – gleich dürft ihr trompeten.
Schnell heißt es Abschied nehmen von Frau und Baby, beide mitzunehmen wäre Platzmäßig kein Problem. Noch müssen beide zu Hause bleiben. Zu lange Strecke und zu viel Action auf dem Rennplatz für unseren Knirps.

Auf gehts nach Le Mans

Wie maßgeschneidert erscheinen mir die mit grauem Leder bezogenen S Sportsitze. Die Seitenführung ist nicht zu extrem um beim Einsteigen unangenehm aufzufallen, trotzdem hoch genug um genügend Seitenhalt zu bieten. Per Knopfdruck sind schnell das Lenkrad,  die Sitze und Spiegel eingestellt und es kann losgehen. Das Gebrüll was den Start des 4,2 Liter FSI Motors quittiert schreckt die Nachbarn und Kinder auf, mir zieht es das erste Grinsen ins Gesicht.
Ja Baby – da bist Du wieder, du herrlicher V8 Motor mit Hochdrehzahlkonzept, der du mich schon im Audi R8 Kurztest begeistern konntest. Heute beginnt unsere erneute Liebschaft; ich lass Dich in Ruhe warm werden und du lässt mich nicht hängen, okay?

Audi RS 4 Avant auf dem Weg nach Le Mans

Minuten später säusele ich mich durch den Verkehr Richtung Autobahn. Bei zurückhaltendem Gasfuß sind die 331 kW (450 PS) gut im Zaum zu halten und lassen den Stop & Go Verkehr der Rushhour nicht zum Streß werden. Stehverkehr sollte mich auch auf den ersten Autobahnkilometern begleiten.

Wechselnde Blicke streifen mich dort, manche neidisch – manche „Ätsch – du kannst hier auch nicht schneller!“ aber ganz viele mit einem freundlichen Glänzen die mir den Spaß mit dem roten Flitzer gönnen möchten.
Recht haben die Nörgler, aber dafür kann ich komfortabler denn die Stauzeit zahlt sich aus um all die netten Ausstattungsdetails zu bewundern, einzustellen und zu konfigurieren. 95.498,- € sagt mir die Pressemappe sind hier zu einem echten Ingolstädter Kunstwerk verarbeitet worden. Nach oben offen hätte ich dem hübschen Kombi gerne noch ein Glasdach spendiert, wirkt der schwarze Himmel doch etwas dunkel. Ansonsten fällt mich nichts auf was fehlen würde. Die Menü’s der Assistenzpakete sowie des MMI Navigation plus Paketes sind gut und intuitiv zu bedienen und alles lässt sich auf dem 7″ Zoll TFT Display, blendfrei, ablesen. Absolut komplikationslos funktionierte auch die Bluetooth Einbindung meines iPhones. Ab diesem Moment liessen sich in iTunes befindlichen Musiktitel in einer Top Qualität über die Bang & Olufsen Soundanlage wiedergeben und auch die integrierte Telefonfreisprecheinrichtung funktionierte einwandfrei.

Audi RS 4 Avant auf dem Weg nach Le Mans

Endlich fließt der Verkehr wieder, doch die Geschwindigkeitsbegrenzung auf 130 km/h lässt den rechten Fuß ruhig bleiben. Zahlreiche Autofahrer fliegen vorbei aber ich lasse mich nicht aus der Ruhe bringen und die Nähe zum Kölner Ring lässt mich zahlreiche Blitzanlagen vermuten. Etwas unter 3.000 U/min liegen bei 130 km/h an und die 7 Gang s tronic hat sich für die längste Fahrstufe entschieden. Vertretermodus!
Viel mehr Spaß macht es aber die Gänge mittels der Paddels am Lenkrad von Hand zu schalten. Jedes runterschalten wird mit einem sonoren Gebrabbel aus den beiden Endrohren quittiert und auch das hochschalten soll nicht ungehört bleiben. 130 km/h lassen sich auch mehr als locker im dritten oder vierten Gang fahren. Oh Herr – gib mir Geduld, lass mich stark sein und zügel meinen Gasfuß. Diebisch belauert mich die Mega-Blitzanlage auf der Leverkusener Rheinbrücke – 60 km/h sind hier erlaubt und bis zum Abzweig auf die A4 Richtung Aachen gehen auch nicht mehr. Die Zeit verrinnt, die Menge an Fahrkilometern auch.

Irgendwie soll es nicht so richtig laufen und ich richte es mir mit dem Tempomaten gemütlich bei 110 km/h ein. Ein Vollzeitfahrverbot für LKWs wäre jetzt nett, überholen sich die Fahrer einfach zu frech und blockieren damit den schnelleren Verkehr.

Blickfang & Fahrmaschine Audi RS 4 Avant

Es ist bemerkenswert wie der knallrote Kombi fremde Menschen inspiriert. Vorbeifahrende, diese fahren nur vorbei weil ich es vom Tempo her zulasse, passen ihr Tempo an um länger auf den Wagen schauen zu können. Daumen werden nach oben gereckt und im anderen Fahrzeug sichtbarer, geräuschloser, Applaus erreicht mich. Die Synthese zwischen einer gewissen Unauffälligkeit und Exklusivität ist Audi perfekt gelungen. Der Wagen wird wahrgenommen! Und sollte jemand noch nicht schauen, einmal runterschalten und der Kopf wird sich zum RS 4 drehen! Kinder, Muttis, Väter, selbst Rentner reagieren so auf den Misanoroten Rennkombi.

Aber auch die Begegnungen auf der Autobahn mit anderen, vermeintlich schnellen und größeren, PKW’s haben ihre Reize. Unbezahlbar der Blick des 7er BMW Fahrers als der rote Kombi noch immer spiegelfüllend hinter ihm herjagt. Resigniert wechselt er auf die rechte Fahrspur um mit offenem Mund die rechte Fahrzeugseite des Audi Kombi betrachten zu müssen.
Im Rückspiegel auftauchende Sportwagen, die mit viel Tempo und Licht über die linke Spur hämmern um dann, dem mit Ohren betäubendem Gebrüll lossprintenden Kombi nicht mehr folgen zu können. Die Fahrer mäßigen ihre Fahrweise und stellen fest – huups – für den hätten sie eigentlich auf die rechte Spur ausweichen müssen. Besetzt der RS 4 dann wieder bei gemäßigter Fahrt die rechte Spur cruisen die, tief im Stolz verletzten, Fahrer links vorbei ohne diesem Wolf im roten Schafspelz einen Blick zu würdigen.

Audi RS 4 Avant auf dem Weg nach Le Mans

Bietet sich die Gelegenheit und der rechte Fuß darf Gas geben springt der Audi mit einer solchen Vehemenz nach vorne das es mir die Freudentränen ins Gesicht presst. Brutal!! Bei 260 km/h und durchgetretenem Gaspedal schaltet das s tronic Getriebe noch einmal runter um höheres Tempo anzubieten. Bei 280 km/h habe ich es wissentlich aufgegeben schneller zu fahren. Laut Drehzahlmesser wäre da noch was gegangen denn aufgrund des Pressestatus war die vMax an dem Wagen nicht abgeriegelt ;-)

Bei dieser Tempobolzerei verhält sich der 1.870 kg leichte Ingolstädter, in Sachen Fahrzustand, extrem entspannt. Findige Assistenten haben derweil die Dämpfer eingestellt und der RS 4 liegt wie das sprichwörtliche Brett auf der Strasse. Die wartungsfreie Zahnstangenlenkung ist so straff geworden das in langen Autobahnkurven richtig zugepackt werden muss und auch das Bremspedal spricht viel intensiver an wenn es gilt das Tempo zu vernichten. All dieses macht den Audi zu einem tollen Reisemobil für Schnellfahrer mit Verwandschaft in der Erdölbranche.

Wer schnell läufft, säufft auch viel

Keine Frage, den Verbrauch eines Fahrzeuges hat der Fahrer im Fuß PUNKT
Gemein wird es dann aber wenn man am Steuer eines solchen Geschoßes wie dem RS 4 Avant sitzt. Tankt ihr den Hobel voll und fahrt 3 Minuten volles Rohr ist dies an der Tankanzeige deutlich sichtbar. Jeder Sprint über 2 – 3 km Strecke lässt die Nadel der Tankanzeige nach unten zucken – aua.
Audi nennt auf der Website Verbräuche von
kombiniert: 10,7 l/100 km
innerorts: 14,6 l/100 km
außerorts: 8,5 l/100 km

die ich als Minimum absolut bestätigen kann. Aber packt mal lieber noch ne Schippe drauf. Auf 1.618 km bei einem Schnitt von 114 km/h sind 207 Liter SuperPlus (98 ROZ) durch die Benzindirekteinspritzung in Vortrieb verwandelt worden und bescheren dem Traumkombi damit eine Energieeffizienzklasse die genauso rot wie seine Lackierung ist.

Und genau hier muß ich jetzt die Frage nach dem praktischen Sinn stellen, sorry Leute. Der Wagen macht brutal viel Spaß – keine Frage, aber genauso schmerzt der Verbrauch bei hohem Tempo. Stelle ich mir nun einen Geschäftstreibenden vor der viel und schnell auf der Autobahn unterwegs ist wird dieser viel Zeit an der Tankstelle verbringen, den im Nu sind die 61 Liter durch die beiden 600 Zellen Katalysatoren gejagt und in allerschönstes V8 Gebrüll umgewandelt.

Audi RS 4 Avant auf dem Weg nach Le Mans

Mein Fazit

Genauso muss ein Auto sein. Unauffällig und ohne Protz, dafür aber eine echte Fahrmaschine! Und genau das ist der Audi RS 4 Avant. Wenn der Anschaffungswert keine  so große Rolle spielt und der Verbrauch nebensächlich, ist dies einer der besten Kombis den man als geneigter Käufer erwerben kann.

Hinweis zu den Fotos

Der Wagen stand mir nur sehr kurze Zeit zur Verfügung. Von dieser Zeit sind quasi zwei Tage mit Fahren verstrichen, die restliche Zeit stand der Wagen an der Rennstrecke bzw. unter einem Baum geparkt. Mit dem Ergebnis das er leider sehr schnell staubig geworden ist, also nicht so wie er für ein ordentliches Shooting hätte sein sollen. Die meisten Fotos sind während Pausen entstanden wofür das iPhone genutzt wurde!

 

 

Audi RS4 Avant

Audi RS4 Avant
7.8

Komfort/Sportlichkeit

8/10

    Exterieur

    8/10

      Interieur

      9/10

        Fahreindruck

        10/10

          Kosten

          4/10

            Pro

            • - Fahrspaß
            • - Verarbeitung
            • - Ausstattung
            • - Sehr auffällig
            • - Haptik

            Contra

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            1 Kommentar zu Audi RS 4 Roadtest – Himmel und Hölle

            1. Mit Audi kann Man(n) einfach nichts falsch machen. Bietet genug Platz, auch für die ganze Familie und die Sportlichkeit kommt nicht zu kurz. Wobei mir der RS6 natürlich lieber wäre. Dazu fehlt aber das nötig Kleingeld. :P

              Lg, Chris

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