Bye bye Nissan Juke 1.0 – herzlich willkommen Juke 2.0

Etwas bewährtes und erfolgreiches durch einen Nachfolger abzulösen ist nicht immer ein leichtes Unterfangen. Nissan ist dies bereits vor einigen Wochen mit dem Nissan Qashqai gelungen. Der Nissan Cashqai, in meinem Augen Wegbereiter des SUV (Sport Utility Vehicle) Trends, zog erstmals anno 2007 die Blicke von Passanten auf sich und ist in unserem heutigen Straßenbild fest verankert. In den Jahren hat Nissan mit 150.000* verkauften Qashqai Einheiten eine mehr als ordentliche Hausmarke setzen können.

Nissan Juke 1.6 DIG-T Tekna Mod. 2010

Ein weiterer Blickfang auf unseren Straßen ist der Nissan Juke. Als Crossover zwischen den „klassischen“ SUVs und normalen Straßenfahrzeugen angesiedelt fällt er mit seiner außergewöhnlichen Designsprache deutlich aus dem gewohnten Rahmen. Steht man vor dem hochbeinigen aber kompakt wirkenden Wagen sucht das Auge vergebens nach einer annähernd geraden Linie. Alle Kanten und Linien wölben sich und umfließen die Konturen aus allen Blickwinkeln. Die besondere Formgebung gefällt. Nicht nur mir, allein in Deutschland wurden ca. 30.000* Einheiten ausgeliefert. Werfen wir einen Blick  auf den gesamten Europäischen Absatzmarkt kommt der kleine Crossover auf mehr als 500.000* Einheiten.

(* Quelle Nissan)

Einmal zur Nürburg und zurück

Nun steh ich hier – vis à vis – mit dem Nissan Juke 1.6 DIG-T Turbo 4×4. Frech aber nicht böse schaut er aus seinen runden Hauptscheinwerfern die von lang nach hinten gezogenen Leuchteinheiten flankiert werden. Listig grinsend könnte man auch sagen, betrachtet man einzig die Front . Beim Blick auf die Seiten wirkt er rund und gutmütig und in einer Formsprache wie kein anderes Auto. Mein Blick wandert weiter Richtung Heck, wo die außergewöhnlich geformten Heckleuchten meine Hand magisch anziehen – auch diese Form will gefühlt werden. Der obere Abschluß der Leuchteinheit besitzt eine wirklich gerade Fläche. Testweise stelle ich meinen Kaffee to go Becher darauf – er bleibt an Ort und Stelle stehen :)
Wie schaut der Juke von hinten aus? Genauso abgefahren und außergewöhnlich wie die anderen Flächen des Wagens – chic und absolut speziell!

Munteres Interieur

Selbst beim Design des Interieurs setzt der Juke seine Linie Kurve fort. Egal wohin das Auge blickt, eine gerade Linie lässt sich kaum finden. Als rühmliche Ausnahme fällt hier nur der Rahmen des 7″ Zoll großen Touchdisplay auf, welches sich trotzdem gut in das Armaturenbrett einfügt. Rund um die Bedieneinheit vermitteln einige Blenden in Klavierlackoptik eine gewisse Exklusivität und den Hauch des besonderen. Obwohl stellenweise etwas eigen im Bedienkonzept stellen die Knöpfe und Schalter den Fahrer vor keine Einarbeitungsprobleme.

Nissan Juke 1.6 DIG-T Tekna Mod. 2010

Auch hier geht der Nissan Juke seinen eigenen – ganz speziellen, – Juke-Weg! In Sachen Sitzgefühl und Ambiente kam es mir recht schnell vor als wäre ich ein Teil des Juke; alles ist gut erreichbar, der Platz für mich als Fahrer ausreichend und doch ist alles so nah als wäre es ein Teil von mir. Selbst in noch kleineren Autos wie in einem MINI Classic oder einem alten  Fiat 500 fühlte ich mich weniger mit dem Auto verbunden. Angezogen ist wohl die beste Formulierung; ja – ich habe mir den Juke angezogen!
Trotzdem muss ich feststellen das der Juke einige nicht mehr zeitgemäße Features besitzt. Sei es der klassische Schlüssel welcher seinen Schließbart tief in Hosentaschen bohrt oder die merkwürdige Bedienung des Tempomaten oder der fehlende Regensensor. Nach 14 Tagen war es mir, zum erstenmal, nicht möglich mein iPhone mit dem Wagen zu koppeln. Das Nissan all dieses heute kann hat mir vor einigen Wochen der aktuelle Nissan Note bewiesen.
Genug gefummelt und gestreichelt, ich bin spät dran und hab noch gute 220 km bis zum Nürburgring vor mir. Ob der Juke das richtige Auto für so einen Autobahnsprint ist?
Ich entschließe mich die kurz angebundene Route zur Autobahn links liegen zu lassen und stattdessen durch die Metropole Unna zu fahren. Im Stadtverkehr macht der Juke einen klasse Eindruck und lässt mich souverän im Strom der Samstagmorgendlichen Citybesucher mit rollen. Die etwas höhere Sitzposition schafft einen guten Überblick und mit dem kompakten und spritzigen Crossover macht es Laune durch die City zu cruisen. Das stufenlose CVT-Automatikgetriebe unterstützt mich dabei mehr als gut und wo es beim Beschleunigen etwas verzögert hilft die gute Motorleistung dieses wieder auszubügeln.

In Sachen Übersichtlichkeit besitzt der Nissan Juke einige Einschränkungen, speziell die breiten C-Säulen und die doch recht flache Heckscheibe verhindern hier den sicheren Rundumblick. Leider verfügt die Tekna Ausstattung dieses Juke, ein Vertreter der ersten Generation (ab Baujahr 2010), noch nicht über das Nissan Safety Shield. In meinem Test des Nissan Note hatte ich dazu etwas geschrieben. Die zusätzlichen Mini-Kameras sorgen für eine perfekte Übersicht und sind inzwischen Bestandteil der aktuellen Tekna Ausstattung. Der von mir getestete Juke hingegen verfügte zum Glück über eine Rückfahrkamera die schon eine Menge Hilfe leistet wenn es gilt den Juke in unübersichtliche Lücken zu plazieren.

Nach dem Abstecher durch Unnas City und den weltberühmten Unnaer Verkehrsring ;-) fahre ich zügig auf die Autobahn A1 Richtung Süden, dem grauen Himmel entgegen. Die Hatz über die A1 stellte den gut motorisierten Juke vor keine Probleme. Überholmanöver absolvierte er mit Drehzahlen bis zu 5.600 U/min souverän und ließ sich auch von den, dabei zu passierenden, Längsrillen auf der rechten Spur nicht aus der Ruhe bringen. Womit der Juke gar nicht gut klarkommt sind schnell aufeinanderfolgende Querrillen. Hier wurden dem Juke und mir recht schnell die Grenzen aufgezeigt und der kleine bekam ein fettes Minus. Bei einer längeren Autobahnpassage hinter Köln wurde es noch unangenehmer und mein leerer Magen meldete sich mit Unwohlsein, verursacht durch das nervige Gehoppel.

Nissan Juke 1.6 DIG-T Tekna Mod. 2010

Umso wohler fühlte sich der Juke und ich dann auf den engen und verwinkelten Landstraßen rund um den Nürburgring. Fast sportlich liess sich der Crossover durch Serpentinen und verwinkelte Kurven bewegen und zeigte die Haftungsgrenze der mit 215/55 R17 bestückten Leichtmetallfelgen frühzeitig an. Weder ein unangenehmes Unter- noch Übersteuern schränkte den Kurvenspaß hier ein.
Schnell war der Presseparkplatz A6 erreicht wo der Juke bei dem überfahren des Schotterbelages seine erhöhte Bodenfreiheit ausspielen konnte. Die Anreise zum Ring hat bis auf das Gehoppel auf der Autobahn richtig Spaß gemacht leider aber auch einiges an Kraftstoff gekostet. Geschätze 25 L Superbenzin hat sich der kleine auf den gut 220 km genehmigt, dabei viel Vollgas auf der A1 absolviert und war dank des Automatikgetriebes auch immer mit etwas höherer Drehzahl unterwegs – puuh – nicht gerade wenig!

Offroad kann der Juke auch

Lange stehen konnte der kleine Juke nicht, wollte ich doch mit ihm zu der legendären Steilkurve der Nordschleife, dem Karussel fahren. Also wieder runter Richtung Adenau und auf halben Weg rechts ab nach Herscheid. Hier wechselt nach einigen hundert Metern der Straßenbelag von Asphalt zu einem losen Waldweg und es geht stetig bergauf, einem der höher gelegenen Streckenabschnitte entgegen.

Für dieses kleine Abenteuer muss ich den Juke einfach loben. Sein kleiner Wendekreis in Verbindung mit seiner hochbeinigen Veranlagung machten ihn zu einem perfekten Waldwegflitzer. Neidvoll schauten die Pressekollegen, die mit ihren 50 ccm Scootern unterwegs waren, wie der der Juke hier über den rauhen Weg kurvte. Das ganze ging im 2WD Betrieb easypeasy von der Bühne und es gab nicht einen Grund, an die Nutzung des elektronisch zuschaltbaren 4×4 Antriebes zu denken. Geländegängigkeit fängt beim Reifenprofil an, sagte mal jemand bei der Bundeswehr zu mir, aber für die montierten Niederquerschnittsstraßenreifen war dieser Anstieg kein Problem. Auch bei der späteren Bergabfahrt zeigte sich der Juke gelassen und souverän.

Querrillenspürgerät & Cityflitzer 1.0

Die spätere Rückfahrt bestätigte meine bis hier gesammelten Eindrücke. Am meisten Spaß macht der Juke auf kurvigen und verwinkelten Landstraßen. Mit seinem Radstand von 2,53 m surft er dabei gelassen über Längsrillen egal welcher Güte und meldet durch heftiges Hoppeln das er gerade über dicht aufeinanderfolgende Querrillen fährt. Alles in allem würde ich den Juke als sportlich, straffen Crossover bezeichnen. Er ist weder eine Sänfte noch ein knüppelharter Kurvenpöhler.
Auch im Stadtverkehr zeigt der kleine Crossover keine Schwächen. Er profitiert dort von seiner höheren Bauweise und zeigt sich agil und wendig auch wenn es darum geht in verwinkelte Parklücken zu kommen.

Nissan Juke 1.6 DIG-T Tekna Mod. 2010

In den wenigen Tagen ist mir der Juke echt ans Herz gewachsen. Er ist wie ich, nicht perfekt und vollkommen, dafür zeigt er sich von seiner ehrlichen Seite. Er ist kein Poser und kein richtiger Malocher sondern er zeigt – gerade raus was er kann und was nicht! I like!

Hohe Messlatte

Ob wohl der Juke 2.0, ich nenne ihn mal so, bereits auf dem Genfer Auto Salon gezeigt wurde konnte ich mir noch kein eigenes, qualifiziertes, Bild von ihm machen. Wenn er seinen Charme und Charakter behält, Fahrwerksseitig besser mit Querrillen klarkommt und ein zeitgemäßes Interieur bekommt hat Nissan alles richtig gemacht. Ich bin gespannt!

Nissan Juke 1.6 DIG-T Tekna Mod. 2010

bye bye – Juke – bis bald!

Bloggernetzwerk

  • Auch die Trendlupe hat einen Blick auf den Nissan Juke riskiert! Hier der Link zum Artikel.
  • Bei Motorreport erschien dieser Artikel über den Nissan Juke Shiro mit einer sehr realitätsnahen Motorisierung.
  • Mit viel Autogefühl schreibt Autogefuehl.de über den Nissan Juke folgendes

 

Eine Kaufberatung, zu dem auf einer Plattform der Renault-Nissan Allianz entwickelten Crossover, folgt in einem späteren diesem Artikel.

 

Nissan Juke 1.6 DIG-T Turbo 4x4

Nissan Juke 1.6 DIG-T Turbo 4x4
6.9

Komfort

7/10

    Exterieur

    6/10

      Interieur

      8/10

        Fahreindruck

        8/10

          Preis

          5/10

            Pro

            • Design
            • Fahrspass

            Contra

            • Hoppeliges Fahrwerk
            • Konnektivität
            • Enger Fondeinstieg

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