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Fahrbericht Hyundai Tucson

Design für neue Zielgruppen

Benjamin-Brodbeck-Photographie

Mit dem Hyundai Tucson auf der Überholspur

Mit dem neuen Tucson macht Hyundai einen großen und gelungenen Schritt in seiner Designsprache. Die einzige Produktneuvorstellung für die Südkoreaner in 2015 soll seine gesteigerte Fahrdynamik und Sicherheits- sowie Komfortausstattung mittels einer warmen und emotionalen Marketing-Kampagne an neue Zielgruppen heranführen. Und so will Hyundai mit dem rundum erneuerten Tucson noch in diesem Jahr 6.000 Einheiten in den deutschen Haushalten unterbringen – für nächstes Jahr sollen es dann mindestens 18.000 sein, die den Südkoreanern dann einen Marktanteil von 3,4 Prozent (aktuell 3,1) bzw. 100.000 Fahrzeuge bescheren sollen.

Hyundai Tucson

Potential hat er ja, der größte Hyundai: mit Klassenbestwerten in Punkto Luftwiderstandsbeiwert und Kofferraumvolumen sowie einer unbegrenzten Mobilitätsgarantie und fünf Jahren Herstellergarantie ist die Ausgangslage schon einmal überzeugend.

Doch bislang war das Design immer ein kleines Problem – und da genau dies mittlerweile ein entscheidender Kaufgrund bei uns Deutschen ist, musste Hyundai handeln – mit Erfolg.

Bullig und dominant kommt er daher: mit seinem dreidimensionalen und Hyundai-typischen Hexagonal-Kühlergrill, seinen messerscharfen Kanten und Linien ohne Spielereien oder störenden Kunststoff-Applikationen, hat er eine um sieben Zentimeter gewachsene Länge von 4.475 mm (Radstand 2.670 mm (+3 mm)), eine Breite (ohne Außenspiegel) von 1.850 mm und eine Höhe von 1.645 mm.

Die Scheinwerfer sind bis in die Seitenpartie hineingezogen, die Radkästen sind nicht rund gestaltet, sondern nach hinten verzögert. Nur der ungewöhnlich tief angesetzte Schriftzug inklusive Modellbezeichnung am Heck will noch nicht so recht dazu passen.

Ein modernes Interieur mit funktionaler Bedienung

Die technologische Steinzeit, die beispielsweise beim Hyundai i10 noch herrscht, wurde beim Hyundai Tucson mehr als übertroffen: neben den neuen Materialien und Kunststoffen findet sich ein großes, hochauflösendes Zentraldisplay mit Internetanbindung, dessen Datenabo man kostenlos für sieben Jahre nutzen kann (zum Vergleich: bei BMW sind es nur 3 Jahre, und die muss man zahlen).

Hyundai Tucson

Die Verarbeitung ist ordentlich, wobei dies stark von der Ausstattung zu sein scheint: in unserem ersten Testwagen („Classic“) war der Eindruck der Materialien weniger überzeugend als in der „Stlye“-Ausführung.

Die Sitze sind sehr komfortabel und elektrisch verstellbar, dürften aber noch etwas mehr Seitenhalt geben. Die serienmäßige Sitzheizung vorne und hinten sowie die ab der Ausstattungslinie „Style“ serienmäßige Sitzbelüftung und die in drei Farben bestellbaren Ledersitze tragen zum Fahrkomfort maßgeblich bei. Das Armaturenbrett ist nah beim Fahrer und erleichtert die Bedienung der Bordinstrumente.

Sehr positiv aufgefallen ist die horizontale Verstellung des Lenkrades, dessen ausfahrbare Länge die eines jeden Fahrzeug-Cockpits übertrifft.

Hyundai Tucson

In den Kofferraum passt ein großer Koffer mehr als beim Vorgänger: mit 513 Litern insgesamt hat man zumindest einmal keinen Platzmangel. Wenn man die Rückbank dann zusätzlich noch umlegt, erhält man eine Ladekapazität von 1.503 Litern.

Neuer, durchzugsstarker Turbomotor im Hyundai Tucson 1.6 T-GDI

BMW lässt grüßen: 184 PS ist genau die Zahl, die auch BMW aus seinem 2,0-Liter-Diesel-Aggregat herausholt (zumindest bis vor Kurzem, denn jetzt sind es wieder 6 PS mehr). Außerdem stehen für den Hyundai Tucson die beiden Benzinmotoren 1.6 GDI mit 135 PS und 1.6 T-GDI mit 176 PS sowie drei Dieselmotorisierungen bereit: ein 1,7-Liter-Motor mit 115 PS und ein 2,0-Liter-Diesel in zwei Leistungsstufen mit 136 PS und 184 PS. Aufgrund der neuen Diesel-Offensive von Hyundai sinkt der Aufpreis vom Einstiegs-Benziner 1.6 GDI zum Einstiegs-Diesel von 3.200 Euro auf nur noch 2.350 Euro Aufpreis. Damit will Hyundai den Markt mit mehr Dieselfahrzeugen ausstatten.

Der 176 PS starke Turbo-Benziner ist neu im Motorenprogramm und wird wahlweise mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe 7DCT oder einem manuellen Sechsganggetriebe angeboten.

Die Anhängelast liegt beim manuellen Schaltgetriebe bei 2,2 Tonnen – bei der Automatik bei 1,9 Tonnen.

Souveräne Fahrwerkseinstellung – aber kein adaptives Fahrwerk verfügbar

Diese Frage brannte uns auf der Zunge: da der Hyundai Tucson ein Geländewagen ist und natürlich auch gegen deutsche Premiumhersteller konkurriert, sollte ein adaptives Fahrwerk – vielleicht auch ein Luftgefedertes – erhältlich oder zumindest in Planung sein. Deutschlandchef Markus Schrick betonte, ein adaptives Fahrwerk sei zur Diskussion, aber noch nicht in Planung.

Hyundai Tucson

Aber man kann auch mit dem ordentlich abgestimmten Fahrwerk gut leben. In schnellen Kurven weist es zwar eine relativ hohe Wankneigung auf und reagiert im Zusammenspiel mit der Lenkung noch etwas langsam. Jedoch muss man natürlich auch fairerweise sagen, dass der Hyundai Tucson kein SUV jenseits der 70.000 Euro-Grenze ist, sondern ein guter Alltags-SUV zum bezahlbaren Preis, der dazu noch schick aussieht und flott fährt ohne Abstriche beim Komfort auf langen Strecken zu machen. Dank einer neuen Innenraumdämmung sind auch die Windgeräusche auf Autobahnen bei Höchstgeschwindigkeiten für ein SUV sehr gut.

Hyundai Tucson auf Abwegen: das Gelände

Und wie fährt er sich so, wenn Schwiegermutter im Hexenhäuschen mitten im tiefen Wald wohnt? Wir konnten zwar in keinem Offroad-Parcours fahren, durften uns aber – durch Zufall – auf einen sich gerade im Bau befindenden Golfplatz mit deutlichen Höhenunterschieden zwischen den Baggern und Raupen hindurchschlängeln. Das war viel interessanter und spaßiger als in einem vorgefertigten Parcours, denn man wusste ja nicht wirklich, ob der Koreaner-SUV da auch wirklich wieder auf allen Vieren herauskommt.

Am Ende ging alles gut; der Allrad ist noch nicht perfekt abgestimmt und stattet manch Rad anfangs mit zu viel unsachtem Drehmoment aus. Das ist besonders auf sandigem Untergrund von Nachteil. Sperrt man aber das Differenzial an der Hinterachse (serienmäßig per Knopfdruck), gleicht diese goldwerte Funktion die unsachte Ansteuerung wieder problemlos aus.

Das Fahrwerk und die Bodenfreiheit haben für die Hügel auf dem Golfplatz wunderbar gereicht – auch wenn das ABS oder ESP bei steilen Bergabfahrten etwas unsanft dazwischen ging und so der Bolide etwas anfing zu rutschen.

Umfangreiche Sicherheitsausstattung im neuen Hyundai Tucson

Der neue Hyundai Tucson verfügt beispielsweise über einen autonomen Bremsassistenten mit Fußgängererkennung, der bei einem drohenden Zusammenstoß mit einem anderen Fahrzeug oder mit einem Fußgänger den Fahrer warnt und eine automatische Notbremsung einleitet. Der Spurhalteassistent hält das Fahrzeug mit Lenkkorrekturen proaktiv in der richtigen Spur, während der Cross Traffic Assistent per Radar den rückwärtigen Bereich des Fahrzeugs in einem 180-Grad-Winkel überwacht und den Fahrer vor kreuzendem Verkehr warnt. Zudem kontrolliert der Tucson mit der Toter-Winkel-Erkennung die seitlichen Bereiche neben dem Fahrzeug und erkennt Verkehrsschilder, um den Fahrer beispielsweise auf Geschwindigkeitsbegrenzungen hinzuweisen. Die aktive Motorhaube verringert das Verletzungsrisiko für Fußgänger und Radfahrer, indem sie sich bei einem Zusammenstoß anhebt und den Aufprall auf harte Motorteile verhindert.

Hyundai Tucson

Bei 22.400 Euro Grundpreis für den Hyundai Tucson Classic blue 1.6 GDI geht es los

Die nächsten Modelle von Hyundai kommen im Januar 2016 bzw. im Dezember 2016 auf den Markt. Auch ein kleines SUV ist in Planung, das ebenfalls den Namen einer kleinen Stadt im Westen der USA bekommen soll, die bekannt aus legendären Westernfilmen ist. Laut Hyundai Deutschland-Chef Markus Schrick soll der kleine Tucson so schnell wie möglich auf den Markt.

Das Design ist bei den Kunden – Hyundai zu Folge – Kaufgrund Nummer eins; das Preis-Leistungs-Verhältnis kommt mittlerweile erst an zweiter Stelle. Doch auch hier stimmt es: für den Hyundai Tucson Classic blue 1.6 GDI verlangen die Südkoreaner einen Grundpreis von 22.400 Euro. Unser weißer Testwagen – Tucson 1.6 Turbo 4WD hatte in der Ausführung „Style“ einen Grundpreis von 32.250 Euro.

Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe kostet einen Aufpreis von 1.800 Euro, 19 Zoll Leichtmetallfelgen liegen bei 600,00 Euro Aufpreis, das Panoramadach kostet 1.200 Euro und das Sicherheitspaket bestehend aus dem autonomen Bremsassistenten, Frontaufprall-Warnsystem, Toter Winkel-Assistent sowie Heck-Verkehrswarner kostet 1.100 Euro. Das war es dann aber auch schon mit relevanter optionaler Ausstattung für die Ausführung „Style“.

Meinungen anderer Blogger über den Hyundai Tucson

NewCarz
Autogefühl [Video dazu]
Motoreport

Fotos und Text Benjamin Brodbeck

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4 Kommentare zu Fahrbericht Hyundai Tucson

  1. Cooles Auto – ich könnte mir in naher Zukunft definitiv vorstellen, etwas von Hyundai zu kaufen. Fast alle meine Freunde sind da eher anderer Meinung, da geht eher die Meinung rum: „ist halt nicht made in germany“ und qualitativ Müll.

    Was sagst du dazu? Merkt man was? Ändern sich solche Sichtweisen langsam?

    Für ~22.000 Grundpreis auf jeden Fall ein interessantes Teil!

    • Hi Damian, das ist halt wie bei vielen anderen Herstellern eine Sache des Images. Hyundai nebst Konzerntochter Kia bauen tolle Autos. Die sind inzwischen technisch so gut, dass es entweder fünf Jahre (Hyundai) oder sogar sieben Jahre (Kia) Garantie auf die Kisten gibt. Such mal einen Europäischen Hersteller der das anbietet. Dazu noch sehr interessante Preise.
      Ich denke der Tucson wird sehr gut vom SUV Markt angenommen. Bennie schreibt dazu ja einiges.

    • Ich habe mir den Tucson mit Premiumausstattung, Automatik und 185 PS gekauft. Von schlechter Qualität keine Spur. Ein super Preis- Leistungsverhältnis. Hinten und vorn mehr als ausreichende Platzverhältnisse für Passagiere und Gepäck. Und gut aussehen tut er auch noch.

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