Fahrbericht Opel Mokka 1.7 CDTi Edition

Am letzten Wochenende stand mir für die Fahrt zum 24h Rennen am Nürburgring, hier geht es zu meinem Liveticker des Rennens, ein Opel Mokka 1.7 CDTi Edition von Europcar zur Verfügung. Bei der Übergabe des Schlüssels zuckte ich erstmal zusammen, waren doch meine älteren und jüngeren Erfahrungen mit Fahrzeugen aus Rüsselsheim mehr als durchwachsen und eigentlich hätte ich einen VW Golf erwartet.
Nun gut, dann bekommt der kleine eine Chance diese Eindrücke zu widerlegen.

Hochbeiniger Schmalhans

Wie der kleine SUV da so vor mir steht, erscheint er ganz schön hochbeinig und der Platz zwischen Radhaus und den 215/60 R17 Rädern erweckt Off-Road Gedanken in mir. Beim Rundgang um den Wagen fällt auf wie schmal er ist. Nicht bullig und breit wie es von einem SUV zu erwarten wäre, sondern in einem gewissen rechteckigen Format steht er hier zwischen den anderen Mietwagen am Dortmunder Flughafen.

Opel Mokka 1.7 CDTi Edition

Das Einladen des Gepäcks geht gut über die Bühne, jedoch dürften kleinere Personen hier Schwierigkeiten aufgrund der hohen Ladekante bekommen. Eigentlich schade, bevorzugen doch häufig Personen die sich nicht als Sitzriesen bezeichnen können, Fahrzeuge der Gattung SUV, um sich hier Vorteile durch die höhere Sitzposition zu verschaffen. Apropos Kofferraum, ich habe es nicht getestet aber ein mittelgroßer Kinderwagen dürfte auch nur nach dessen Demontage in den Opel Mokka passen. Mit einigermaßen unzerklüffteten Umrandungen und dem klassischen Stoffboden kann das Gepäckabteil des Mokka keine besonderen Highlights setzen.

Plastik überwiegt

Mit dem öffnen der Fahrertür werde ich von einer grell leuchtenden Mischung aus verschiedenen Tönen der Farbfamilie Braun ein bißchen erschlagen. Okay, auch wenn die Außenfarbe Espresso Braun in diese Richtung geht, davon im Innenraum etwas weniger wäre mehr gewesen.

Der Innenraum des Opel Mokka lässt edlere Optik und Materialien schnell vermissen. Bis auf eine kleine Aluminium Applikation rund um den Türöffner erscheint das komplette Interieur als reine Plastiklandschaft. Zwar erscheint die Verarbeitung von Armaturenbrett und Umfeld gut aber alles wirkt einfach nicht schick. Diesen Eindruck können auch die teilweise mit Leder bezogenen Sitze nicht retten. Wangen und Umrandungen der Sitzfläche sind hier mit Lehmbraunen Leder bezogen und geben dem elektrisch einstellbaren und kostenpflichtigen Ergonomiesitz damit einen Hauch von Exklusivität. Das Sitzgefühl in dem nach Gütesiegel AGR (Aktion Gesunder Rückene.V.) zertifizierten Sitz ist wirklich klasse wird jedoch durch die nicht in der Neigung verstellbare Kopfstütze nach unten gezogen. Ich bin wahrlich kein Sitzriese aber bei jedem kleinsten Huckel einen Klaps an den Hinterkopf zu bekommen, weil die Kopfstütze zu nah ist, wird auf Dauer nervig.

In Sachen Ergonomie und Bedienkonzepten reiht sich der Opel Mokka in den Bereich der Mitbewerber ein. Alles funktioniert soweit wie erwartet, Neuerungen oder Highlights ließen sich nicht finden. Wann der nächste Hersteller mit so einem Knaller wie dem virtuellem Cockpit des neuen Audi  TT heraus kommt, wissen nur die Götter. In Sachen Multimediaausstattung lieferte sich der kleinste SUV von Opel keine Schwächen. Gut erreichbare AUX und USB Buchsen liefern schnell Strom für das Smartphone oder stellen die Verbindung zu den Infotaiment Komponenten her. Mein iPhone wurde in dem Zusammenhang auch per Bluetooth fix erkannt und liess sich anstandslos koppeln um so auch Hands free telefonieren zu können. Die Bedienung beziehungsweise Ergonomie des ganzen fand ich dagegen nicht so gut gelöst. Den meist üblichen Drehknopf würde ich lieber an einer tieferen Stelle zwischen den Sitzen platziert sehen. Mit dem so herunterhängenden Arm liesse sich das ganze System deutlich besser bedienen als mit der waagrecht schwebenden Hand am ausgestreckten Arm.
Der kleinste Huckel reicht so, um schnell daneben zu langen und die falsche Auswahl zu treffen. Warum der Drehknopf alle Auswahlpunkte auch nicht per zentralem Druck, sondern stattdessen durch Druck auf den äußeren Ring des Auswahlrades, bestätigt???

Was gar nicht geht ist, in dieser Ausstattungsvariante ein Fahrzeug ohne Rückfahrkamera auszuliefern. Der Mokka ist dank seiner breiten C-Säule und dem hohen Popo sehr unübersichtlich wenn die Fahrt nach hinten gehen soll. Eine Rückfahrkamera muss Pflicht sein. Pluspunkte gibt es dafür, das Opel alle elektrisch betätigten Seitenfenster mit einem Einklemmschutz versehen hat.

Hier sollte Opel schleunigst mit dem Umparken beginnen.

Angenehm überrascht hat mich die Navigationslösung von Opel. Schnell wurden, je nach Staulage, alternative Routen angeboten und auf dem 7″ Zoll Display in Top Optik, blendfrei und gestochen scharf, angezeigt. Ebenso informierte das Display auch sehr schön über die gerade laufende Musik, durch die Anzeige der Cover und Informationen zu den Interpreten und Musikstücken.

Brummiger Selbstzünder

Der von mir gefahrene Opel Mokka war mit dem 1.7 CDTi Motor bestückt. Taufrisch ist dieser 130 PS (96 kW) starke 4-Zylinder Reihenmotor nicht und Opel täte gut daran auf ein aktuelleres Aggregat auszuweichen. Der 1.7 CDTi lässt im Fahrbetrieb keine Zweifel über seinen Auslastungsgrad aufkommen. Er kommt zäh auf Touren und wenn er dann einmal die 3.000 U/min Grenze erreicht und sein maximales Drehmoment von 300 Nm bei 3.000 U/min abgegeben hat,  fängt er übelst an zu brummen. Laufruhe ist hier nicht festzustellen. Dafür marschiert der kleine dann aber ganz gut nach vorne. Schnell werden die 100 km/h erreicht und laut Tacho ist der Brummer für gute 200 km/h zu motivieren. Fahrwerksseitig macht er dabei noch einen relativ entspannten Eindruck und auch der Seitenwind auf den Talbrücken der Autobahn A1 brachten ihn nicht aus der Ruhe. Nervig hingegen das zunehmende Abrollgeräusch der Vorderachse bei Kurvenfahrt. Akustisch kommt hier das Gefühl auf als wenn der SUV mit fetten Geländereifen bestückt wäre. Richten sich die Räder wieder geradeaus verschwindet das Geräusch.

Opel Mokka 1.7 CDTi Edition

Wie zu erwarten stellte sich der Mokka nicht als Kurvenwunder dar. Die kleinen Serpentinen rund um Adenau absolvierte er zwar ohne Klagen, jedoch fängt er bei etwas höherem Tempo munter an zu untersteuern ohne dabei ein wirkliches Feedback zu geben, wann er diesen Fahrzustand wieder aufgeben wird. Bei gemächlichem Tempo lenkt er sauber und relativ präzise ein und weist auch kaum ein kippeliges Neigen der Karosse auf.

TV-Werbe Highlight Bergabfahrhilfe

Der Trainer meines bevorzugten Ballspielvereines ist Markenbotschafter für Opel. In einem TV-Spot weisst ihn sein Beifahrer, vermutlich der Modellspezialist von Opel, auf das Vorhandensein einer Bergabfahrhilfe hin. Jürgen Klopp gibt darauf freundlich ironisch zurück, „bräuchte niemand den mit Opel ginge es ja jetzt nur noch Bergauf!“
Merkwürdigerweise hat er sich mit dieser Aussage den Unmut einiger Opelaner zugezogen. Umparken im Kopf täte auch diesen Menschen ganz gut, denn hier etwas negatives hinein zu interpretieren ist schon ganz schön weit hergeholt.

Ausprobieren wollte ich diesen, bei Opel HDC (Hill Descent Control) genannten, Fahrassistenten trotzdem und was bietet sich da besser an als das Bergaufstück zur guten alten Nürburg. Die, von mir eingeplante, frische Waffel am Fuße der Burg musste wegen Überfüllung des Restaurantstübchens leider ausfallen. Also nix wie runter von dem Berg.
Dazu im Stand den HDC-Schalter betätigt und den Fuß von der Bremse; die Fuhre beginnt loszurollen. Wenige Meter später erfüllte ein deutliches Mahlen, aus dem Bereich des Getriebes, den Innenraum und zeigt die mechanische Regulierung der Bergabfahrgeschwindigkeit auch akustisch an. Klingt furchtbar erfüllt aber seinen Zweck und wer jemals in bergiger Umgebung mit aus dem Stand blockierenden Rädern ins rutschen gekommen ist, wird sich über diese Funktion freuen. Physikwissen der ersten Stunde: Rollreibung ist höher als Rutschreibung!

Mein Fazit > mehr Latte Macciato als Mokka

Opel ist mit dem Mokka auf keinem schlechten Weg. Der kleine SUV benötigt einen agileren Dieselmotor und etwas mehr Augenmerk auf die Details. Für ca. 25.000 € (Ausstattung im Opel Konfigurator nachgestellt) bekommt man einen wendigen und agilen Wagen. Das Platzangebot ist mäßig und sollte von jedem unbedingt überprüft werden. Opel sollte hier nicht den Fehler machen den Mokka intensiv weiterzuentwickeln. Auf gehts Opel – Umparken im Kopf fängt bei euch an!

Blogschau

Mir stand der Opel Mokka nur sehr kurz zur Verfügung, deswegen hier auch nur einige schnelle Fotos via iPhone. Gerne hätte ich mich intensiver mit dem kleinen SUV beschäftigt. Diese Gelegenheit hatten die Kollegen von www.newcarz.de.
Dort ist ein sehr ausführlicher Artikel zum Opel Mokka erschienen: http://www.newcarz.de/2014/03/10/fahrbericht-opel-mokka-der-starke-kleine/

Im Drive.Blog dagegen hat Jens Stratmann eine Kaufberatung zum Opel Mokka geschrieben. Wie immer bei Jens – schöner fluffiger Lesestoff! http://drive-blog.de/2014/06/04/opel-mokka-fahrbericht-test-kaufberatung/9693/

Fahrbericht Opel Mokka 1.7 CDTi Edition

7.46

Komfort

8/10

    Exterieur

    7/10

      Interieur

      8/10

        Fahreindruck

        7/10

          Preis

          7/10

            Pro

            Contra

            Ähnliche Artikel

            7 Kommentare

            1. Kaufberatung – Opel Mokka › Der Auto Blogger
              2. Juli 2014 zu 12:50 Antworten

              […] 23. Juni 2014 in Angetestet // Fahrbericht Opel Mokka 1.7 CDTi Edition […]

            2. Jörg
              24. Februar 2015 zu 11:27 Antworten

              Danke für den Testbericht! Wir besitzen ihn seit Freitag, den Opel Mokka. Und ich muss sagen, ich bin total begeistert. Die braune Innenausstattung Eures Testfahrzeuges gefällt mir übrigens auch nicht, wir haben grau/schwarz gewählt. Die Kamera hab ich noch nicht vermisst. Wir haben die Piepser dran und auch beim Vorgängerfahrzeug, dem Astra, hatte ich keine bessere Sicht nach hinten. Und ansonsten fühlt man sich im Mokka total wohl!

              Gruß Jörg

              • Oli
                24. Februar 2015 zu 12:52 Antworten

                Ja dann Glückwunsch, viel Spaß und immer eine Handbreit Luft ums Blech :D

            3. Harald
              13. April 2015 zu 12:50 Antworten

              Eine sehr gute Bewertung. Ich war überrascht, welches doch ansehnliche Interieur der Opel Mokka hat. Auf den ersten Blick wenn man das Exterieur betrachtet, erwartet man das kaum. Dennoch bleibt es für mich unerklärlich, wieso beim Opel Verkauf die Zahlen für den Opel Mokka höher liegen (71.000 in 2013) als beim Opel Adam (55.000 in 2013). Aktuelle Berichte kenne ich leider nicht.

            4. Bully
              22. August 2015 zu 15:33 Antworten

              In seiner Kategorie bestimmt ganz nett. Muss ich für fast 30k EUR wirklich noch selbst schalten? Wird die Kiste nicht überwiegend in urbanen Regionen unterwegs sein? Dann wäre doch ein Automat ein echter Komfort-Gewinn. Oder nicht?

              • Oli
                22. August 2015 zu 15:44 Antworten

                Hi Bully, das wird so oft eine Entscheidung des Geldbeutels sein. Die Liste der Extras ist ellenlang, nur zu :D

            5. Frank
              7. März 2016 zu 23:46 Antworten

              Tolles Auto! Der Artikel hat mir sehr geholfen, danke dafür.

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