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Infiniti Q50 2.0 T – Erstkontakt

Amerikanisch-asiatischer Dauerläufer

Infiniti Q50 2.0 T Sportlimousine

Und wieder kann ich einen Hersteller auf meiner imaginären Liste der noch nicht gefahrenen Fahrzeuge streichen. Als Testwagen stand mir ein Infiniti Q50 mit dem brandneuen 2.0 T Motor (2.0 Liter Turbo Benzin-Direkteinspritzer) zur Verfügung und bot so die Gelegenheit, sich näher mit der Marke und Modell zu beschäftigen.

Premium Vertreter im Nissan Konzern

„Was ist denn das für eine Marke?“ Ich hatte aufgehört die Fragen nach der Marke Infiniti zu zählen, so oft fragten Passanten, Freunde und Kollegen nach dem schicken in Malbec Black lackierten Fahrzeug. Die Antwort, dass Infiniti das Premium Segment im Nissan Konzern vertritt, verblüffte umso mehr. Verständlich, wenn selbst bei Wikipedia nur einige gröbere Infos zu den seltenen Fahrzeugen aus Japan nachzulesen sind.

Der offizielle Verkaufsstart der Marke erfolgte im November 1989 und bediente zuerst den Nordamerikanischen Automarkt. In der Folge erweiterte sich der Markteintritt auf Mexiko, den Mittleren Osten, Südkorea, Taiwan, Russland, China und seit 2008 auch Europa.
Ich würde vorschlagen, weiteres zu der Marke Infiniti via dem Link zu Wikipedia nachzulesen, schließlich soll ja hier, ein Auto bewertet werden.

Infiniti Q50 2.0 T Sportlimousine

Neue Premium Limousine Q50 T

Erst im Herbst 2013 wurde auf der Autoshow Barcelona der neue Infiniti Q50, nebst der neuen Designsprache, welche dieses Modell verkörpert, der Öffentlichkeit vorgestellt. Neben dem deutlich dynamischeren Auftritt als seine Vorgänger ist der Q50 auch der erste Infiniti, der mit der Steer-by-Wire Lenkung ausgestattet ist. Was das im Detail bedeutet, erläutere ich etwas weiter unten im Text.

Zum Start der Modellreihe bot Infiniti zwei Motoren zur Auswahl, ein 3,5 Liter V-6/Hybrid mit 364 PS und ein 2,2 Liter Diesel mit 170 PS.  Ganz neu dagegen der 2,0 Liter Turbo Benzin-Direkteinspritzer, welcher eine Leistung von 211 PS liefert und wie der Diesel Motor aus dem Hause Daimler stammt. Bevor die Antriebskraft des angenehm leisen 4-Zylinder Motors auf die Hinterachse trifft, wählt eine 7-Gang Automatik die passende Übersetzung aus, wobei der Fahrer mittels Schaltwippen am Lenkrad Korrekturen vornehmen kann.

Antriebsstrang Made by Daimler

Mit dem 2,0 Liter Motor bedient Infiniti die Käufer, denen der 3,6 Liter V-6/Hybrid zu teuer (hier geht es ab 51.350 € los), der 170 PS Selbstzünder aber unter Umständen zu träge erscheint.  Die 211 PS verhelfen der knapp 1,7 to wiegenden Sportlimousine zu einem knackigen Sprint auf 100 km/h, der ca. 7,2 Sekunden dauert. Dabei liefert der Motor ein Drehmoment von 350 Nm, womit eine Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h ermöglicht wird.

Die Spezialisten werden es entweder wissen oder aus diversen Kennziffern abgeleitet haben. Der Antriebsstrang des Q50 2.0 T stammt aus dem Hause Daimler. Dort trägt das Aluminium-Aggregat die Motorenbezeichnung M274, wogegen in der Daimler-Modellsprache vom Siebenstufen-Automatikgetriebe 7G-Tronic Plus gesprochen wird.

 

Infiniti Q50 2.0 T Sportlimousine

Erste Ausfahrt mit Steer-by-Wire Lenkung

Extrem gespannt war ich auf die Steer-by-Wire Lenkung. Hierbei wird das Lenkgetriebe nicht mehr über eine Lenkstange, sondern rein digital mittels einer Kabelverbindung angesprochen. Dieses Prinzip entstammt in ähnlicher Form dem modernen Flugzeugbau, wurden doch dort über Jahre die störanfälligen und schweren Steuerseile gegen digitale Steuereinheiten ersetzt.

Noch vor Testbeginn war ich hierbei allerdings skeptisch; als mögliche Einschränkungen gingen mir Gedanken über fehlendes Gefühl der Fahrzeuglenkung bis hin zum Ausfallszenario der elektronischen Bauteile durch den Kopf. Beides kann ich heute widerlegen. Die Steer-by-Wire Lenkung überraschte mich mit verzögerungsfreien Umsetzungen meiner Lenkimpulse und einem bekannten Feedback der Vorderräder. Ein netter Nebeneffekt ist, dass die Steer-by-Wire Lenkung den Fahrer in Sachen Lenkarbeit deutlich unterstützt. Fast wie bei einem Rennsport-Lenkgetriebe bedarf es nur einer geringen Lenkradumdrehung um den maximalen Lenkeinschlagwinkel der Vorderräder zu erreichen.

In Sachen Notlaufeigenschaften klärte mich ein Gespräch mit der technischen Abteilung von Infiniti auf. Kurz zusammen gefasst: Zwischen Lenkrad und Lenkgetriebe besteht nach wie vor eine mechanische Verbindung anhand einer Lenksäule. Allerdings ist diese mit den beiden Bauteilen mittels einer elektromagnetischen Kupplung verbunden.  Im Normalzustand sind diese Kupplungen getrennt, erst wenn Notlaufeigenschaften erforderlich werden, erfolgt eine mechanische kraftschlüssige Verbindung. Okay!

Sehr angenehm auch, die Steer-by-Wire Lenkung lässt sich auf die persönlichen Belange einstellen. Der eine fährt lieber mit einer leichtgängigen und soften Lenkung durchs Land, der andere mag es lieber etwas knackiger und strammer, wenn es sportlich um die Ecken gehen soll. Diese und weitere Einstellungen lassen sich komfortabel über das zentrale Touchdisplay im Armaturenbrett, auch während der Fahrt, einstellen. Gleichzeitig können auch verschiedene Kennfelder des elektronischen Gaspedals ausgewählt und eingestellt werden. Nimmt man jetzt noch die verschiedenen Fahrwerkseinstellungen hinzu, lässt sich der neuen Infiniti Q50 -passgenau auf die persönlichen Bedürfnisse einstellen.

Infiniti Q50 2.0 T Sportlimousine

Reisen und nicht rasen

Der Q50 2.0 T erwies sich in der Testzeit als gestandene Reiselimousine mit viel Komfort und Langstreckenqualitäten. Die prominent bestickten Ledersitze offerierten dabei einen gelungenen Mix aus Komfort und Seitenhalt, wobei die einmal eingestellten Settings sich dank Memory-Funktion immer wieder abrufen ließen. Auf langen Fahrten zu verschiedenen Rennstrecken wie Zandvoort, die Nordschleife oder nach Zolder, pendelten sich Mensch und Maschine schnell bei einer Reisegeschwindigkeit von Roundabout 120 – 140 km/h ein. Wohlfühltempo!!

In diesem Geschwindigkeitsbereich säuselte der Vierzylinder-Turbo fast unhörbar vor sich hin, und nur bei schnellen Zwischensprints wurde es einmal etwas lauter ohne jedoch unangenehm zu werden. Das 7-Gang Automatikgetriebe arrangierte hier eine Motordrehzahl von knapp unter 3.000 U/min, womit ein Durchschnittsverbrauch (Autobahn) von etwas über 8 Liter Super/100 km möglich war.

Passend zu der Cruiser-Atmosphäre auch das Ensemble der Assistenten. Tempomat justiert, Abstands- und Fahrspurassistent dazu geschaltet lässt es sich tiefenentspannt bis ans Ende der Welt fahren. Sportliche Hatz durch Serpentinen und Kurven mit manuller Schalterei machen leider aus Gründen der Bedienbarkeit weniger Spaß. Infiniti hat die Paddle Shifts (Schaltwippen) so hinter dem Lenkrad verbaut, dass sich diese nicht mitdrehen sondern starr an einer Position stehen. Wird nun das Lenkrad eingeschlagen, ist eine Bedienung der selbigen zum Hoch- oder Runterschalten nicht mehr möglich – Klagen auf hohem Niveau – :D

Bei allem Lob des Vielfahrers ist jedoch eine Sache anzusprechen die überhaupt nicht gepasst hat. Grundsätzlich wird im Display, welches auch die Straßennavigation darstellt, die zulässige Höchstgeschwindigkeit angezeigt. Zeichen 274 kennt jeder: kreisrund, rote Umrandung und eine schwarze Zahl auf weißem Grund welche die zulässige Höchstgeschwindigkeit nennt. Hier zeigte der Q50 leider komplett falsche Werte auf. Auf dem berühmt berüchtigten Kölner Verkehrsring liegt die erlaubte Vmax bei, streng überwachten, 100 km/h! Der Q50 verleitet hier mit angezeigten 130 km/h zur quasi freiwilligen Selbstabgabe der Fahrerlaubnis :(
Hintergrund sind veraltete Daten des Navigationssystemes, schicker wäre die Zeichen einzulesen und zu interpretieren. Das machen viele andere Hersteller besser.

Infiniti Q50 2.0 T Sportlimousine

Kampf gegen Audi A4, BMW 3er und Mercedes C-Klasse

Die grobe Ausrichtung des neuen Q50 zielt auf einen interessanten Markt ab, in welchem sich allerdings die arrivierten Platzhirsche nach Herzenslust tummeln. So interessant der Infiniti Q50 auch sein mag, er wird es hier schwer haben mit seinem Amerikanisch-Asiatischen Flair große Käuferschichten einzufahren. Im Bereich der Firmenfahrzeuge führt fast kein Weg an Audi A4, BMW 3, Mercedes C-Klasse oder dem VW Passat vorbei und nur die wenigsten Firmenwagen-Policys lassen Fremdfahrzeuge zu. Schade. Wirklich schade, denn der Infiniti Q50 hätte das Zeug zu einem guten Außendienstler-Arbeitsplatz.

Infiniti Q50 2.0 T

Infiniti Q50 2.0 T
7.52

Komfort

8/10

    Exterieur

    8/10

      Interieur

      8/10

        Fahreindruck

        8/10

          Preis

          5/10

            Pro

            • - Leiser Motor
            • - Steer-by-Wire Lenkung
            • - Ausstattungspaket

            Contra

            • - Schaltwippen Position
            • - Navi-Funktionen

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