Renault Kadjar  dCi 110 EDC im Alltagstest

Da steht er also vor unserer Tür, um sich als Testwagen für die nächsten 14 Tage zu beweisen. Der Renault Kadjar Experience ENERGY dCi 110 EDC. Ähnlich intensiv wie der Modellname lang, ist die Konzernverwandtschaft zum Nissan Qashqai (hier unser Kurztest). Beide sind die SUV Zugpferde im Renault/Nissan Konzern und teilen sich neben Know-how auch das eine oder andere Bauteil.

Rein äußerlich unterscheidet sich der Kadjar recht deutlich vom Qashqai. Wirken die Formen und Linien beim Japaner etwas ruhiger, zeigt der Franzose mutige Formen und ist mit der Metallic-Sonderlackierung DeZir-Rot ein echter Hingucker. Beim Gang um den Wagen fallen besonders die anmutig designten Front- und Heck LED Leuchteinheiten auf. Wirklich schick. Nur hätte Renault bei dem Testwagen ruhig etwas mehr in die Ausstattungsliste schreiben können.
Die LEDs an der Front stellen nur das, ausgesprochen gut gelungene, Tagfahrlicht dar.

Renault Kadjar ENERGY

Das optisch wie aus einem Guss wirkende Auto darf zB auch nur auf den in der „Experience“ Ausstattung serienmäßigen 17 Zoll „Aquila“ Leichtmetallfeigen vorfahren. Wie schick die 19 Zoll „Egeus“ Räder in der Bose-Edition wirken konnten wir in diesem Kurztest bewundern.

Die erwartete Extravaganz kam auch bei der Betrachtung des Interieurs nicht wirklich auf. Alles wirkt zwar wohl platziert, leider fehlt hier jedoch der gewisse Pep den wir von Renault erwartet hätten. Einige Plastikteile im Armaturenbereich sind dann leider nicht wirklich handschmeichelnd, erfüllen aber ihre Funktion erstklassig.

Renault Kadjar ENERGY

Bei der weiteren Betrachtung der Interieur Fotos aus unserem Qashqai Test fielen dann recht schnell einige Parallelen der Bauteile auf. Am auffälligsten hier das identische Bedienteil der Klimaanlage. Aber why not, auch im VAG Konzern werden munter Konsolen und Bedienelemente in mehreren Baureihen gleichzeitig eingesetzt. Kennste eine – kennste mehrere!

Während einer Nachtfahrt konnte allerdings der Renault Kadjar deutlich Pluspunkte sammeln. Das bei ihm eingesetzte digitale Tachometer ist ein absoluter Augenfreund und zeigt verlässlich und Blendfrei die gewünschten Informationen an. Nebenbei wird hier auch die gewünschte Set-Geschwindigkeit des Temporalen dargestellt. Generell ist das Cockpit des Kadjar für den Piloten ein solider und entspannter Arbeitsplatz. Warum aber die Verstelleinheit der elektrischen Außenspiegel komplett unbeleuchtet sein muß, entzieht sich unserem Verständnis.

Renault Kadjar ENERGY

Was uns auch keine Freude machte, waren diverse Ungereimtheiten beim Testwagen. Ob diese durch den ungestümen Gebrauch anderer Autojournalisten auftraten oder konstruktionsbedingt sind entzieht sich zum Teil unseres Wissens.
Zum einen war dies ein hochfrequentes Brummen, wie von einer Hockdruckpumpe die ohne Flüssigkeit läuft, das arg rauschende UKW-Radio (hier hat Renault bereits ein Software-Update angekündigt) oder die sporadisch aufleuchtenden Leselampen für Fahrer und Beifahrer trotz penibel verschlossener Türen – schließlich waren zwei Kleinkinder an Bord.

Eigentlich nur Kleinigkeiten die aber trotzdem für Verunsicherung sorgten.

Ausgesprochen positiv war dagegen die Konnektivität des R2-Link Infotainmentsystem zu den anwesenden Smartphone und Bluetooth-Devices. Alle ließen sich schnell und unkompliziert connecten und konnten über das Multifunktionslenkrad bzw Bedienelemente des Wagens gut gesteuert werden.

Sanftes Aggregat mit Automatik Push-Up

Auch in Sachen der Motorisierung geht es beim Renault/Nissan Konzern Hand in Hand. Motoren die bei dem einen Hersteller gut laufen müssen eben nicht neu entwickelt werden. Davon profitieren zum einen natürlich die Unternehmen, aber im Umkehrschluss haben auch die Kunden etwas davon.

Renault Kadjar ENERGY

Und so werkelt auch im Renault Kadjar ein Motor welcher bereits bei Nissan erfolgreich eingesetzt wird. Im Testwagen war dies ein sehr sparsamer 1,5 Liter (1.461 ccm) Vierzylinder Turbodiesel. Neben dem sehr sparsamen Kraftstoffverbrauch, Common-Rail-DI lässt grüßen, von etwas über 5,2 Liter auf 100 km waren allerdings auch die dynamischen Fahrleistungen recht sparsam.

Sanfte 110 PS bemühen sich den ca. 1,5 Tonnen wiegenden SUV nach vorne zu bewegen. Clever von Renault, dem Downsizing-Kandidaten ein 7-Gang Automatikgetriebe zu spendieren mit welchem sich die unweigerliche Anfahrschwäche recht gut kaschieren lässt. Rollt der Wagen dann, schaltet das Getriebe munter und sanft die verschiedenen Fahrstufen durch und macht das beste aus dem zur Verfügung stehenden Drehmoment von 250 Nm (bei 1.750 Nm).

Renault Kadjar ENERGY

Im Stadtverkehr rollt der Kadjar so gemütlich mit und erfreut Fahrer und Passagiere durch eine unaufgeregte und entspannte Fahrt. Soll es allerdings dann etwas zügiger nach vorne gehen, zum Beispiel bei kurzen oder ansteigenden Autobahnauffahrten, gilt es vorausschauend zu planen. Leider fehlen dem Reihenvierzylinder hier einige Reserven. (Renault nennt für den von uns getesteten Wagen eine v/max von 181 km/h und 11,7 Sekunden für den Sprint 0 – 100 km/h)

Dafür entschädigt dann aber die Laufruhe des kleinen Dieselaggregates. Selbst bei Geschwindigkeiten um die 150 km/h wirkt der Motor nicht übertrieben laut und lädt zum Reisen ein. Damit bei solchen Belastungen der Kraftstoffverbrauch nicht in die Höhe schnellt, greifen die Franzosen tief in die Trickkiste. Verschließbare Kühlerjalousien werden aktiviert und reduzieren so den Luftwiderstand. Clever – clever!

Ordentliches Raumangebot

Nach dem kurzen Date mit dem Kadjar im Juni letzten Jahres, galt es nun auch einen Blick auf die Platzverhältnisse zu werfen wenn eine Familie unterwegs sein möchte. Grundsätzlich ist hier erst einmal genügend Platz für Fahrer und Beifahrer. Die ergonomisch gestalteten Sitze stellen dabei einen guten Kontakt zum Fahrzeug her. Aber auch im Fond des französischen SUV gibt es in Sachen Platz nicht viel zu meckern. Der Kindersitz ist schnell per Isofix befestigt und erlaubt dem kleinen Autotester auch die Beinchen auszustrecken ohne den Beifahrer zu malträtieren.

Renault Kadjar

Die erwachsene Begleitperson hat auch nicht wirklich Grund zu meckern. Mehr Platz ist immer gern gesehen, aber die Platzverhältnisse lassen eine absolut entspannte Sitzhaltung zu. In Verbindung mit den in der klappbaren Mittelarmlehne untergebrachten Getränkehaltern war es ein Vergnügen, sich chauffieren zu lassen ;-)

Renault Kadjar ENERGY

Bei der Gepäckunterbringung im Kofferraum gab sich der Renault Kadjar auch keine wirkliche Blöße. In der Standardkonfiguration sind es hier 472 Liter bei der Beladung bis Fensterkante. In der Praxis bedeutet dies, der Teutonia Cosmo Kinderwagen passt hinein ohne zerlegt werden zu müssen. Rund herum gibt es dann noch einigen Stauraum der mit Taschen und Kleinkram belegt werden kann. Empfehlenswert wäre allerdings ein Gepäcknetz zu montieren, da eine weitere Beladung dann schon in die Höhe ginge.
Renault Kadjar ENERGY

Fazit

Renault liefert mit dem Kadjar einen optisch sehr ansprechenden und grundsoliden SUV ab. Allerdings können wir den im Testwagen verbauten 1,5 L Turbo-Diesel im Grunde nicht empfehlen. Auch wenn ein SUV nicht zum Sprinten genutzt werden soll, einige Sicherheitsreserven (siehe oben) sollten vorhanden sein. Mit 110 PS wird es bei diesem Punkt sehr eng.

Der Kadjar überzeugt durch seine Laufruhe, den geringen Verbrauch und das angenehme und komfortable Fahrwerk.

Renault Kadjar 130 dCi ENERGY Bose Edition

Bild zeigt einen Renault Kadjar 130 dCi ENERGY Bose Edition aus der Fahrvorstellung Juni 2015.

Nach unserem Kurztest aus dem Juni 2015 und den jetzt gewonnenen Eindrücken würden wir einen 130 dCi Diesel mit der Bose-Edition empfehlen. Gerade letztere liefert einige Fahrassistenzpakete, Voll-LED Scheinwerfer und weitere sinnvolle Features mehr.

Andere Blogger und der Renault Kadjar

Die Kollegen von Autogefühl hatten den Kadjar genauso im Test wir auch unsere Freunde von motoreport.de.

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3 Kommentare

  1. Am 29. Februar 2016 gefunden … | wABss
    1. März 2016 zu 04:01 Antworten

    […] Renault Kadjar  dCi 110 EDC im Alltagstest, gefunden bei der-auto-blogger.de (0.1 Buzz-Faktor) […]

  2. Berni
    7. März 2016 zu 22:35 Antworten

    Hmmm, das Hinterteil finde ich wirklich gelungen, von vorn gefällt er mir noch nicht so. Aber ich bin zuversichtlich das dass nächte Model noch besser wird.

  3. Matze
    13. März 2016 zu 11:16 Antworten

    Meine Mutter wird sich den wahrscheinlich holen, optisch finde ich ihn ja eher bescheiden. Aber immerhin stimmt der Verbrauch, und geräumig scheint er ja auch zu sein..

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