Test & Fahrbericht: Renault Mégane Coupé R.S TCe Start & Stop

Einfach mal Danke sagen! Danke Renault Deutschland, danke für die Möglichkeit den Renault Mégane Coupé R.S. TCe Start  & Stop fahren und erleben zu dürfen. Der in Perlmutt lackierte Kandidat der Renault Sportabteilung hat es wirklich faustdick hinter den breiten Ohren bzw. den mächtigen Radhäusern. Renault bietet hier einen Top-Sportwagen zu einem unschlagbaren Preis.Renault Megane Coupe RS

Schlanke 27.950,- Euro wird der freundliche Renault Partner verlangen, wenn es darum geht, dass 265 Pferdestärken den Besitzer wechseln sollen. Auch wenn es hier noch die berühmte Luft nach oben gibt, für das gleiche Geld einen derart motorisierten Vertreter aus deutscher Fertigung zu erhalten – unmöglich!

 

Eat my dust

Dieser Wahlspruch des sympathischen WTCC (World Touring Car Challenge) Piloten, Tom Coronel, sollte zum Standardaufkleber am Heck des Mégane RS werden. Der mit Multipoint-Einspritzung und Turbolader veredelte 2.0 Liter 4-Zylinder ermöglicht Fahrleistungen, die im öffentlichen Straßenverkehr viele andere Autos in die Opferrolle bringen wird. 5,4 kg pro PS sind ein wirklich großartiger Wert und machen aus dem stärksten Renault einen unnachgiebigen Verfolger auf Landstraßen und Autobahnen.

Unbezahlbar die Momente, wenn der verdutzte Fahrer einer großen Limousine entnervt die linke Autobahnspur freigibt und dem davon eilenden Coupé ungläubig hinterher glotzen muss. Bei freier Strecke  erreichte der 2 + 3 Sitzer eine Höchstgeschwindigkeit, laut Tacho, von mehr als 270 km/h. Die im französischen Dieppe ansässige Sportabteilung von Renault nennt hier einen gemessen Wert von 254 km/h, welcher absolut plausibel erscheint.

Renault Megane Coupe RS

Der Weg dorthin ist die pure Freude. In 6,0 sek erreicht der Mégane RS die 100 km/h um im Anschluss bereitwillig weiter auf die 200 km/h Marke zu marschieren. Allzu oft jedoch muss der Galopp in die höheren Tempobereiche auf bundesdeutschen Autobahnen unterbrochen werden. Mit seiner unauffälligen Optik sehen leider allzu viele „Besetzer“ der linken Fahrstreifen keinen Anlass, diesen frühzeitig freizumachen und zwingen den Mégane RS Fahrer zu zahlreichen Tempounterbrechungen.
Tritt der Fall ein, dass ein ungeübter Fahrer seinen Wagen vor das heranstürmende RS Coupé wirft, helfen die bissigen Bremsen (VA 340 mm, HA 290 mm), made by Brembo, wuchtig die Geschwindigkeit zu reduzieren. Beide Extreme, den Sprint als auch die Verzögerung, absolviert der Mégane RS mit stoischer Ruhe.

Kurvengänger

Der Renault Mégane RS kann jedoch auch auf schnellen und kurvigen Landstraßen glänzen, wo es nicht so sehr auf die Urgewalt des Turbomotors ankommt. Gerade hier kann er die Vorteile seiner Hightech Vorderachse ausspielen. Die Sportabteilung von Renault hat, um die Einflüsse der Motordrehmomentes von der Vorderachse fernzuhalten, eine Trennung der Lenkachse von den Feder- und Dämpfungssystemen erreicht. Dieses „Independant Steering Axis System“ (ISAS) genannte Konstrukt ermöglicht, neben den beiden vorab erwähnten Eigenschaften, eine extrem präzise Lenkung und ein Maximum an Traktion. Oft mehr als die 225/40 Michelin Sport Contact auf den lenkwilligen 18″ Zoll Leichtmetallfelgen auf die Straße bringen können. Dabei erweist sich das ganze Fahrwerk als sehr abgestimmt und ausgeglichen und bietet ausreichend Feedback, wenn es in Richtung Grenzbereich geht, welcher sich durch sanftes Untersteuern ankündigt.

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Wer es noch sportlicher treiben möchte, kommt im Mégane RS auch nicht zu kurz. Links unter dem Lenkrad versteckt sich ein kleiner unscheinbarer Tastschalter mit dem dezenten Aufdruck RS. Ab nun hält sich die Traktionskontrolle, sowie das Ansprechverhalten des ABS etwas zurück und lässt dem Piloten mehr persönlichen Spielraum den Wagen zu dirigieren; das elektronische Gaspedal dagegen operiert ab nun mit einem geänderten Kennfeld und spontanerer Leistungsbereitstellung. Renault Sport hat jedoch noch einen Joker für die Piloten parat, die komplett ohne elektronische Traktionskontrolle unterwegs sein möchten. Hierzu wird einfach länger auf die ESP-Taste gedrückt und *schwupps* schaltet das Renault Sport Dynamic Management auch dieses Helferlein ab. Nicht abschalten dagegen lässt sich die mechanische Differentialsperre, welche immer noch ersatzweise eingreifen würde, wenn sie über das optionale Cup Paket mitbestellt wäre.

Apropos Mitbestellen

So schön der Einstiegspreis für einen 265 PS starken Sportwagen auch ist, einige Features sind im Serienumfang nicht enthalten. Leider, denn der gut ausgestattete Testwagen zeigte auf, wie wichtig die folgenden Extras im Sinne des Fahrspaßes sind.

  • Leder-Paket (komplett elektrisch verstellbare Recaro-Sitze und Rückbank Lederverkleidet)
  • Renault R-Link (sehr umfangreiches Multimedia & Infotainment Paket inkl Navi & RadarGefahrstellenmelder)
  • Klima-Paket (Klimaautomatik nebst Licht & Regensensor)
  • Renault Sport Monitor (Für Sportfahrer und Nordschleifenpiloten unerlässlich)
  • Handsfree Keycard, Rückfahrkamera & Metallic Lackierung

Mit diesen Extras lag der Testwagen bei 33.060,- Euro, was für einen Wagen mit diesen Fahrleistungen und der Verarbeitungsqualität immer noch sehr gut ist.

Alltagsqualitäten hat er auch

Wie bei allen anderen Testwagen war es mir auch mit dem Mégane RS verboten worden auf Rennstrecken zu fahren. Die Unzulänglichkeiten einiger Pressekollegen sind hier wohl der Ursprung des Verbotes. Sportlich moderat dagegen ließ sich der RS im nahen Sauerland fahren. Kurvig und verwinkelt mit, wechselnden Straßenbelägen, ist mein Testparcours ebenfalls eine Herausforderung an die jeweiligen Fahrzeuge. Bestnoten für den Mégane RS an dieser Stelle.

Auch auf der Autobahn macht der kleine Sportler extrem viel Spaß, wie ich weiter oben schon beschrieben hatte. Selbst beim täglichen Pendeln, zeigte das Mégane Coupé keine Schwächen. Im Stau allerdings fühlt sich der RS, inkl. Fahrer, überhaupt nicht wohl. Etwas brummig und rauh zeigt sich der Motor im Drehzahlkeller und die sportlich straffe Kupplung ermüdet die Oberschenkelmuskulatur auf Dauer schon.

Der mit Start & Stop Automatik ausgestattete Mégane RS zeigte auch ein breites Spektrum an Verbrauchswerten. Bei Knallgasfahrten auf der Autobahn wandert die Verbrauchsanzeige im Cockpit gerne gegen 13 L/1oo km, geht es dann aber über die auf 100km/h reglementierten Autobahnen in Holland, reduziert sich der Verbrauch auf unter 9,0 L/100 km. Im Durchschnitt waren es ca. 9,8 L Super, die auf 100 km in puren Fahrspaß verwandelt wurden.

„2+3 Sitzer“ war meine Antwort auf die Frage eines Nachbarn, ob der Mégane RS ein 2-Sitzer wäre. Ja, er hat eine Rückbank und dort könnten auch drei Personen sitzen. Empfehlen möchte ich dies aber nicht, wie ein Selbstversuch zeigte, denn die Beinfreiheit auf den hinteren Plätzen ist doch sehr eingeschränkt. Den Mégane RS als Familienauto einzusetzen, würde ich auch nicht empfehlen, denn gerade kleine Kinder oder unser Baby werden bei dem recht straffen, aber nicht unkomfortablen, Fahrwerk schnell zum Wackeldackel.

Alltagsqualitäten hat auch das Gepäckabteil des schnellen Franzosen. Sowohl Einkäufe als das Gepäck für den Besuch des Blancpain GT Rennens am Nürburgring als auch der DTM in Zandvoort ließ sich prima verstauen. 377 Liter stehen hier zur Verfügung, nach umklappen der Rücklehne sogar 1.024 L wenn nach VDA gemessen wird.

Fazit

Bereits nach zwei Tagen habe ich schmerzerfüllt auf das Abholdatum des Mégane RS schauen müssen, wissend wie sehr mir der Wagen bis dahin Spaß machen und welche Lücke er in meinem Sportfahrerherz hinterlassen wird. Seine tollen Fahrleistungen und die gute Verarbeitung machen ihn zu einem sehr erstrebenswerten Fahrzeug für Sportfahrer und Trackday-Fetischisten.
Kinderwagen & Co wären hier fehl am Platz genauso wie ein Öko-Spritsparmensch.
Obwohl, hier wäre es interessant zu prüfen, wann auch ihm die Pferde durchgehen und er den Mégane RS artgerecht  laufen lässt.

Danke Renault

Renault Megane Coupe RS

Renault Mégane Coupé R.S TCe Start & Stop

Renault Mégane Coupé R.S TCe Start & Stop
8.16

Komfort

9/10

    Exterieur

    8/10

      Interieur

      8/10

        Fahreindruck

        10/10

          Preis

          6/10

            Pro

            • Antriebsstrang
            • Fahrwerk & Bremsen
            • Preis
            • Fahrspaß

            Contra

            • Anbringung USB
            • kein Glasdach

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