Wave Trophy 2015 – zwei Tage unter Hochspannung – Teil 1

Als Beifahrer hat man es nie leicht. Wer es gewohnt ist selber ins Volant zu greifen wird sich auf dem Platz ohne selbiges nie wirklich 100% wohl fühlen. So ging es mir über zwei Tage, in denen ich als Beifahrer in einem umgebauten Porsche 911 (991) Platz nehmen durfte.

Umgebaute Porsche gibt es viele. Einen wie den von Heiko Fleck aufgebauten E-Porsche allerdings wohl nur einmal. Beim ersten Kontakt mit dem weiß folierten und von OSRAM gebrandeten Sportwagen habe ich wohl mehr als blöd aus der Wäsche geschaut, als Heiko mir den im Heck verbauten Motor zeigte.
Darf sich so etwas überhaupt noch Porsche nennen? Da wo sich normalerweise ein nach Herzenslust brüllender Porsche-Boxermotor befindet ist im Osram Porsche ein Elektromotor zu finden. Mit viel Platz um den wie eine Heizröhre aussehenden E-Motor, sind dann noch einige Halterungen, dicke Kabel und Controller zu sehen. Hören kann man nichts mehr, läuft der E-Motor doch quasi geräuschlos.

Wae Trophy Osram Porsche

Der 70 kW leistende E-Motor wurde mittels Adaptern direkt auf das original Getriebes des Elfers geflanscht. Mehr als Notlösung entstanden erweist sich dieser Umstand jedoch als gut und gangbar. Der verbaute E-Motor kann so seine Nenndrehzahl von 7.000 U/min leisten und wird bei Höchstdrehzahl einfach kurz ausgekuppelt um dann im nächsten höheren Gang weiter zu werkeln. So erreicht der Wagen eine Höchstgeschwindigkeit von 190 km/h. Nicht theoretisch sondern “in echt” wie Heiko mit Stolz verkündet. Nebenbei raunt er mir zu, der Wagen wäre für eine Entfernung von 200 km gut. Dann aber nicht mit 190 km/h! – Ach wirklich? ;-)

E-Trip durch die Schweiz

Nach der kurzen Einleitung zu dem Fahrzeug in welchem ich Begleiter sein konnte und den Infos zur Wave Trophy aus diesem Artikelmächte ich hier nun beschreiben wie den meine beiden Tage im E-Porsche waren.

[box type=normal]Zuerst aber ein Disclaimer: Ich bin einer derjenigen die dem Thema E-Mobility sehr skeptisch gegenüber stehen. Vor einigen Monaten hatte ich meine Zweifel dazu in diesem Artikel geschildert und kontroverse Kommentare damit erzielen können.
Keine Frage, E-Mobility muss und wird kommen. Die Frage ist nur wie und in welchem Umfang ist die Technologie heute und in den nächsten 5 Jahren für Normalfahrer nutzbar.
Wenn also eine gewisse Skepsis in diesem Text durchkommt, ich habe euch gewarnt![/box]

In der Einladung, der Wave Trophy als Blogger beizuwohnen, hieß es, dass ich mich am Abend mit meinem Begleiter für die nächsten 2 Tage im Hotel in Rothrist/CH treffen sollte. Abends, nach seiner Tour vom Dienstag. Diese Tour wäre der Abschluss der sogenannten Königsetappe gewesen bei der die Teilnehmer der Wave Trophy, binnen 30 h, von Berlin nach Bern fahren mussten. Rein elektrisch versteht sich.
Und so saß ich dann nach einem ganzen Tag als Bahnreisender und harrte dem der da kommen sollte. Um 21 Uhr war noch nicht ein E-Mobil im Etappenhotel eingetroffen.
Leichtes Magenknurren machte sich bemerkbar.

Die Hotelküche würde um 22 Uhr geschlossen rief mir der Rezeptionist des Hotels zu. Aha? Um 21:30 Uhr war die für das Laden der E-Autos vorgesehene Stellfläche auf dem Parkplatz noch immer leer. Genauso wie mein Magen.
Das Magenknurren beschalte inzwischen den Speiseraum.

Um 21:45 Uhr strichen Autoscheinwerfer über die Einfahrt des Hotels. Zwei Handwerker stellten ihren Werkstattwagen ab. Ich rief den Kellner und bestellte mir ein einfaches Essen. Ein wenig Fleisch, ein paar Pommer und armseligen Salat der nach Wasser schrie wurden mir innerhalb von 5 Minuten gereicht. Der Preis dafür satte 23 CHF. Ohne Getränke, die kamen extra. Schöne teure Schweiz dachte ich mir.

Um 22:30 Uhr das nächste Scheinwerferlicht. Ein VW Golf vom Team Phoenix Contact erreichte als erster das Etappenhotel und friemelte ein Kabel vom Fahrzeug zu einer Außensteckdose des Hotels. Erschöpft aber zufrieden sahen die beiden Fahrer aus und ließen durchblicken, dass der erst des Feldes noch kommen würde. Aha?

Um 23:30 Uhr, weitere Teilnehmerfahrzeuge trafen inzwischen beim Hotel ein und balgten sich um diese eine Ladesteckdose, ging mein Telefon. Heiko “der Porsche Fahrer”! Er wäre jetzt in Bern losgefahren. *watt?*
Ob man hier beim Hotel aufladen könnte. Meine Antwort war natürlich ja, schließlich standen ja einige der Akteure draussen an der Steckdose und luden die Akkus ihrer Fahrzeuge.

Um 24:00 Uhr, ich wollte mir letztmalig die Beine vertreten, stellte wie selbstverständlich ein Tesla Modell S Pilot seinen Boliden auf einen der Hotel eigenen Behindertenparkplätze, schnappte sich sein Einschlafkissen und ging leichten Fußes an die Rezeption. Das ganze gibt es als Bild bei Facebook. Kommentieren möchte ich die Szene nicht.

Per SMS informierte ich den Porschefahrer, dass ich nicht länger warten würde und er mir eine Nachricht zukommen lassen sollte, wann es am nächsten Morgen weitergehen würde. Die Nachricht erhielt ich dann per Klopfzeichen an der Zimmertür. Nachts um 01:30 Uhr! Abgekämpft stand dort jemand und identifizierte sich als “der Porsche Fahrer”.
Er wäre ohne Vignette unterwegs, da würde alles etwas länger dauern. Und ein Zimmer hätte er auch nicht. Ob er bei mir schlafen könnte? Auch wenn ich es nicht wollte, ich konnte hier nicht Nein sagen und so lag innerhalb der nächsten Minuten ein Weltfremder Typ in meinem Hotelbett.

Als Belohnung schnarchte mir selbiger dann sein Tageswerk in verschiedenen Tonarten und Frequenzen. Herrlich. Nicht!

Abfahrt um 07:00 Uhr

Wenigstens mussten wir uns so nicht mehr für die gemeinsame Abfahrt verabreden und nach einem gemeinsamen Frühstück ging es dann in den Porsche. Die Akkus wären fast leer waren die ersten knappen Worte nach Abfahrt.
Abfahrt, hmm irgendwie verbinde ich mit diesem Wort andere Fahreindrücke. In dem E-Porsche sollte es besser Losgleiten heissen. Zu hören gab es nix außer dem Ablaufgeräusch der serienmäßigen Reifen des Porsche 911 (991).

Schülerbewertung OSRAM Porsche Wave Trophy
Laut Roadbook wäre der nächste Stop an einer weiterführenden Schule. Dort würden die Fahrzeuge durch die Schüler bewertet und es gäbe eine Lademöglichkeit. Also ab zu der Schule nach Oftringen/CH. Dort standen in der Präzision wie sie nur Schweizer bieten können, die Schüler einer weiterführenden Schule Spalier um die durchfahrenden E-Mobile zu benoten.
Jedes Fahrerteam hatte eine Minute um die Vorzüge seines Fahrzeuges zu präsentieren.

In einer Minute kann man viel oder wenig sagen. Oder nach der Ladestelle fragen und in 15 Sekunden Infos zum Fahrzeug nuscheln. La òla Wellen und Szenenapplaus forderten andere Teilnehmer. Dafür war die Frage nach der Ladestation nicht ohne. Es gab eine rote Starkstromaußendose und eine weitere 220V Steckdose im Außenbereich. Für erstere hatte “der Porsche Fahrer” seinen Adapter verliehen, die zweite Lösung hätte mehr als acht Stunden Standzeit bedeutet. Standzeit = Ladezeit bzw. andersrum. Dann wäre die Akkus aber auch nur etwas über der Hälfte voll.

Schnell wurde aber von der Schulleitung eine Alternative genannt. Nur fünf Minuten entfernt wäre ein E-Auto Ladepool der Stadtwerke Oftringen. Cool, also auf auf und schnell dahin gefahrenen bevor die Energiespeicher im Porsche ganz leer sind. Schnell war die stylische Ladesäule auch gefunden.
Aufladen konnten wir trotzdem nicht, weil … – richtig, der Adapter war ja verliehen. Und so kam es dann, dass ein Techniker der Stadtwerke aus dem Fundus seines Magazins einen Adapter zauberte und wir den Porsche damit aufladen konnten. Die Stunden die dabei verstrichen, durften wir in den herrlichen Pausenräumen der Stadtwerke absitzen. Schweizer Kaffee gab es auch noch und zum Bloggers Heaven fehlte nur noch ein freies WLAN.

Nach gut 1,5 Stunden war der Porsche dann Abfahrbereit. Zwar nicht bis Oberkante voll, aber soweit, dass Heiko meinte den Tag zu schaffen. Aufgrund des Zeitverlustes ließ er dann auch zielstrebig die nächste Schule und die dort möglichen Wertungspunkte aus und steuerte direkt zum Mittagsstop.
Zeitlich hätten wir zwar noch den Zwischenstop geschafft, aber dafür wären ein paar flotte Kilometer auf den Schweizer Autobahnen nötig gewesen. Moment Autobahnen, da war doch was. Richtig, dafür braucht man eine Vignette. Und so zuckelten wir eben wieder knapp unter der Richtgeschwindigkeit über die Schweizer Landstraßen nach Aarau.

Dort warteten unter dem Magenta farbenen Durchfahrtsbogen der Deutschen T-Com bereits einige Teilnehmer, die ihre Fahrzeuge zu einer kleinen Expo aufgestellt hatten. Das, vom Hauptsponsor T-Com, zugesagte WLAN gab es trotzdem nicht. Dafür tolles Sonnenwetter und 3 Stunden Wartezeit die aber nicht zum Aufladen genutzt wurde. Warum auch immer. So wurde der Stop von den Teilnehmern und mir genutzt, die Wasser und Lebensmittelvorräte in einem naheliegenden MIGROS Store aufzufüllen bevor es irgendwann weiterging.

Wave Trophy

Das Ziel hieß nun Baden und während der Tross der Teilnehmer rechts Richtung Autobahn abbog nahmen wir in einer weiteren Landstraßenetappe den kommenden Weg unter die Räder. So ging es dann über leichte Berge und flache Täler in Richtung der Stromstadt Baden wo die nächste Expo im Schatten des ABB Hauptsitzes wartete.
Mit fast leerem Energiespeicher erreichten wir auch dieses Ziel, wo durch das Technikteam der Wave Trophy ein Eldorado an Lademöglichkeiten eingerichtet war. WLAN um den einen oder anderen Text und Bilder abzusenden – leider nicht!
So konnte ich die Zeit nutzen und die dort versammelten Teilnehmerfahrzeuge der Wave in Ruhe betrachten und Fotografieren. Aufgerundet wurde die Expo durch zahlreiche Exponate von Ortsansässigen Tüftlern, die hier die Gelegenheit zum Fachsimpeln suchten. Vom Tesla Roadster über selbst gefriemmelte Vespa Roller bis hin zum E-Trabant gab es eine Menge zu sehen.

Wave Trophy

Irgendwann waren dann die Akkus geladen und die Teilnehmer machten sich auf in ihre Quartiere. In unserem Fall hieß dies einen weiteren Trip ins schöne Bülach/CH zu unternehmen wo dann um kurz nach 23:00 Uhr der Tag zu Ende war und ein kuscheliges Bett, auf mich alleine, im Hotel wartete. Das war der erste Tag meiner Wave Trophy.
Ach ja, natürlich gab es dann im Hotel ein funktionierendes WLAN.

Hier geht es weiter zum zweiten Teil meiner Wave Trophy

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