Eifel Rallye Festival 2016 – 30 years of Group B

Als Ende 2015 bekannt wurde, dass die 2016er Ausgabe ganz im Zeichen der Gruppe B stehen würde, waren die Erwartungen der Fans hoch. Die Gruppe B galt als die Blütezeit des Rallyesports, auch wenn sie insgesamt nur 3 Jahre anhielt, von 1983 – 1986.
Ab 1986 wurde die Gruppe B aus dem Rallyesport verbannt. Der tragische Unfall auf der Rallye Portugal bildete den Auftakt und fand ihren tragischen Höhepunkt mit dem tödlichen Unfall Henri Toivonen´s auf Korsika. Die Gruppe B wurde zu schnell und zu gefährlich. Audi Quattro S1 E2, Peugeot 205 T16 E2 oder Lancia Delta S4, das waren die Autos der Gruppe B. Nur einen Handvoll von Fahrern konnten diese Autos am Limit bewegen. Und trotzdem, auch 30 Jahre nachdem Ende der Gruppe B polarisieren die Autos jener wilden und gefährlichen Zeit.

Zum Eifel Rallye Festival befanden sich genau 65 Gruppe B Autos, inklusive deren Nachfolger, die Gruppe S, jene Prototypen welche nachdem Verbot der Gruppe B in der Versenkung verschwanden, bzw. in die Schrottpresse wanderten, in der Starterliste.
Beim ERF 2016 gab es in diesem Falle sogar eine Weltpremiere. Audi Tradition brachte neben 2 originalen Audi Quattros, den Sport Quattro S1 und den Audi Quattro S1 E2, eben jenen Gruppe S Prototypen mit in die Eifel und dieser sollte sogar bewegt werden. Kein geringer als die deutsche Rallyelegende Walter Röhrl fuhr an 2 Tagen den Gruppe S Audi, zusammen mit seinen ehemaligen Beifahrer und Mitorganisator des ERF, Christian Geistdörfer. Aber der Reihe nach.

Tag 1 – Shakedown, Gewitter und Rallyeparty

Nachdem ich am frühen Morgen in Daun ankam und Freunde getroffen habe, begab ich mich in den Servicepark, wo die Teams ihre Wagen für die kommende Tage  vorbereiteten. Sehr interessant war  das Gespräch mit dem Besitzer des einzigen  verbliebenen Ford Escort RS1700T Evo Gruppe S aus dem Jahre 1985. Dieses Auto kam nur als Testwagen zum Einsatz. Sein jetziger Besitzer Brian Betteridge erzählte mir und Martin die Geschichte, wie er das Auto aus Südafrika zurück nach England holten und dort wieder aufbaute. Das ist das schöne am ERF. Man kann sich die Autos in Ruhe aus der Nähe anschauen und kommt so mit den Besitzern ins Gespräch.

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Den Auftakt am Nachmittag, bildete, wie jedes Jahr, der Shakedown in Dreis-Brück am berühmten „Manta-Loch“. Wie dieses kleine Schotter S zu seinem Namen kam, der sollte mal bei  Youtube  die Begriffe „Rallye Oberehe 1993“ eingeben.
Bei zunächst noch strahlenden Sonnenschein startet am Nachmittag der Shakedown, wo die Rallyepiloten ihr Können zeigten. Leider  zog kurz nach Beginn ein Gewitter mit heftigen Regenfällen auf, welches mich schnell das Weite suchen ließ, da diverse Elektronikgeräte den Geist aufgaben. Also fuhr ich zurück nach Daun und wartete dort das Gewitter und den Regen ab.

Leider verpasste ich so den Rest des Shakedowns. Am frühen Abend begab ich mich dann mit Freunden auf die Rallyemeile und dem Servicepark, wo am Donnerstagabend Christian Geistdörfer traditionell das Eifel Rallye Festival eröffnet. Da ja die Gruppe B das diesjährige Motto war, zeigte Rallyefilmer Helmut Deimel diverse Clips aus seinem umfangreichen Archiv. Als Stargäste jener Zeit waren Walter Röhrl, Stig Blomqvist und Massimo „Miki“ Biasion anwesend.

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Alle 3 Fahrer schilderten ihre Erlebnisse und Eindrücke aus der Gruppe B Zeit. Natürlich wurde die eine oder andere Anekdote zum Besten gegeben. Aber auch wurde von der Schattenseite der Gruppe B berichtet. Über die tödlichen Unfälle, oder die Zuschauermassen, die auf der Strecke standen und erst im letzten Moment auf Seite sprangen.

Nach ein paar gemütlichen Stunden auf der Rallyeparty begab ich mich ins Bett, da der kommende Tag noch lang werden sollte.

Tag 2 – Freunde,  Schotter, Drifts

Der Tag brach an und Daun präsentierte sich bei bestem Wetter.  Der Regen vom Vortag war passe und die Sonne schien. Martin und ich begaben uns runter auf die Rallyemeile, wo am Vormittag die traditionelle, öffentliche, technische Abnahme stattfand.
Hier werden die Rallyeautos und die Ausrüstung der Fahrer auf Sicherheit, Fahrtauglichkeit usw. geprüft. Während die TA lief, traf ich einen weiteren Freund und Fotokollegen. Gemeinsam streiften wir durch den Servicepark und planten das Programm für den  Nachmittag. In der Zwischenzeit traf dann auch Thomas, der Fahrer Besitzer und Fahrer von „Rosie“ ein. „Rosie“ ist ein Audi Quattro A2 Gruppe B Nachbau von 1986.

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Sie ist ein Nachbau des Rothmans Quattro, welchen John Bosch und Steve Bond bei diversen Rallyes in Deutschland, Belgien und den Niederlanden einsetzen.  Nach einen kurzen Plausch und einem Gruppenbild der „Rosie Family“ verabschiedeten wir uns, denn es war Zeit zum Aufbrechen.  Am Nachmittag stand ein Rundkurs an, welcher zu 99% nur aus Schotter bestehet. Auf diesem RK gibt es alles, was das Rallyeherz höher schlagen lässt. Einen Sprung, eine Wasserdurchfahrt und diverse Kurven die zum Driften einladen.

Nachdem wir 2014 an der Wasserdurchfahrt unsere Foto geschossen haben, suchten wir uns diesmal eine langgezogene Rechtskurve aus. Auf den ersten Blick erschien diese „langweilig“, aber die stellte sich nach kurzer Zeit als Fehleinschätzung heraus. Schon bei den Vorwagen ging es ordentlich zur Sache und einige Piloten bewegten ihre Autos schnell und quer ums Eck.

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Nachdem jeder der V-Wagen 3 Runden absolviert hatte, folgten die „0“ und die „00“, die schnellen Vorauswagen wie es sie bei jeder Rallye gibt. Die „0“ war ein Opel Kadett C GT/E CTC vom Rallyeass Georg Berlandy. Der Routinier bewies wie immer, das man in einem Opel schnell und quer fahren kann, sehr zur Freude des Publikums, die jede Runde Runde von Georg Berlandy bejubelten. Die „00“ war ein VW Rallye Golf G60, pilotiert von Helmut Spangenberg.

Nachdem diese beiden durch waren, startet das Hauptfeld.  Angeführt wurde dies von Walter Röhrl und Christan Geistdörfer, welche in einem Porsche 911 SC  Grupp4 schnell ums Eck kamen. Audi Tradition schickte Harald Demuth im originalen Audi Sport Quattro S1, auch „der Kurze“ genannt, ins Feld, gefolgt von Miki Biasion und Luca Betti im Lancia Delta S4 Gruppe B.

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Highlights waren unter anderem  Matthias Kahle der seinem Skoda 130 RS jedes Mal quer um die Kurve brachte, Coen Donkers im Audi Quattro Pikes Peak Replica, Claus Aulenbacher im Lancia Stratos  oder Loris Canadian, der den originalen Lancia Delta S4 von Fabrizio Tabaton von der Rallye Sanremo 1986 pilotierte. Aber eigentlich war jedes Auto ein Highlight für sich.
Die originalen sowie originalgetreuen Replicas von damals live zu erleben, das ist ein Traum eines jeden Rallyefan. Für jemanden wie mich, der nie die Rallyes der 60er,70er oder 80er erlebt hat, bietet das ERF die Gelegenheit, die Autos von damals zu erleben. Egal ob schnell oder gemütlich bewegt. Da es bei den Slowly Sideways nicht um Bestzeiten geht, sondern um das zeigen der Autos, ist es jedem Pilot selber überlassen, ob er sein Auto schnell und quer oder lieber gemütlich und vorsichtig bewegt, was bei einigen original Autos von damals auch verständlich ist.

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Da die Bosch Special Stage zu 99% aus Schotter besteht, entschieden sich einige Piloten, diese Stage nicht zu befahren. Man könnte ja etwas kaputt machen und Ersatzteile sind für einige Autotypen kaum noch, bis gar nicht mehr vorhanden. Doch die die gestartet sind, boten für die Zuschauer eine klasse Show.

Um 17:00Uhr kam der Schlusswagen durch und dies bedeutete das Ende der Wertungsprüfung. Ich verabschiedete mich von meinen Freunden und trat die Heimreise an. Die Abend/Nachtprüfung ließ ich aus, da ich am nächsten Tag wieder arbeiten musste. So verpasste ich leider die Premiere des Gruppe S Audi sowie den dritten und letzten Tag des Eifel Rallye Festivals.

Aber ich hatte trotzdem 2 sehr schöne Tag in Daun. Ich freue mich jetzt schon auf die 2017e Ausgabe des ERF.

Thorsten Korbella/Zeroundersteer.com

Ein Kommentar

  1. Am 26. Juli 2016 gefunden … | wABss
    27. Juli 2016 zu 03:05 Antworten

    […] Eifel Rallye Festival 2016 ? 30 years of Group B, gefunden bei der-auto-blogger.de (0.3 Buzz-Faktor) […]

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