Mitsubishi Pajero – Ü30 und nicht klein zu kriegen

Mitsubishi Pajero – Ü30 und nicht klein zu kriegen

Es war mal wieder an Zeit sich zu erden. Zurück auf den Boden der Tatsachen beziehungsweise in den Fahrersitz eines echten Geländewagens. Hatten unzählige SUVs den Popometer durch ihre weichgespülten Fahrwerke verwirrt, sollte ein echter Geländespezialist dies wieder gerade rücken. Und welcher Geländewagen kann dies besser als der Mitsubishi Pajero.

Das dieser es kann, auch nach mehr als 30 Jahren, sollten die Testfahrten mit dem dreitürigen Pajero zeigen. Das der Mitsubishi Pajero kein normales Auto ist beweist er schon bei der ersten Betrachtung.

Mitsubishi Pajero

Quadratisch, praktisch, gut

Quadratisch ist er wirklich. Sowohl das Breiten- als auch das Höhenmaß fallen mit 1,87 Meter absolut identisch aus. Genauso wohl proportioniert schaut er bei der Betrachtung der Seite aus. Seine Länge von 4,38 Meter zeugt von Wendigkeit wofür auch der recht kurze Radstand von 2,54 Meter spricht. Damit lässt er sich in Flur und Fauna zackig ums Eck lenken und sollte eine Schranke die Weiterfahrt versperren dreht er mit einem Wendekreis von 10,6 Meter fast auf der Stelle.

Auch in Sachen der täglichen Praxis muss sich der Pajero nicht verstecken. Die seitlich weit aufschwingende Hecktür macht das beladen zum echten Glücksfall. Leider ist das Ladevolumen des kompakten Geländegängers, in der Standardkonfig (Fünfsitzer), sehr eingeschränkt. Schlanke 290 Liter sind es die nach der Überwindung der gut 71 Zentimeter hohen Ladekante zur Verfügung stehen. Werden die Rücksitze komplett hinter die Vordersitze geklappt stehen auf einem Topfebenen Ladeboden satte 1.119 Liter zur Verfügung. Sollen die beiden nach VDA (Ladung bis Unterkante Fenster) ermittelten Werte getoppt, und der Wagen bis unter das Dach beladen werden, sollte dieser Wert bis knapp an 1.600 Liter (Schätzwert) gehen.

Mitsubishi Pajero

Das Attribut gut verdient sich der Mitsubishi Pajero in allerlei Hinsicht. Gutmütig lässt er sich sowohl im Stadtverkehr als auch der Landstraße bewegen. Bei letzterem sollte der Fahrer allerdings über einen stabilen Magen verfügen, rollt und lümmelt sich der kleine Geländewagen doch gerne in diverse Richtungen. In der Stadt profitiert der Pajero in mehrerer Hinsicht. Die hohe Sitzposition sorgt für die nötige Weitsicht, der bullige Auftritt für den Respekt der Nachbarn. Ist die Weiterfahrt durch Linksabbieger versperrt, schnalzt sich der hochbeinige Wagen mit seiner Ballonähnlichen Bereifung (265/60 R18) den Bordstein hoch um munter weiter zu preschen. Apropos preschen. Satte 441 Newtonmeter sind es die den über 2 Tonnen schweren Allradler antreiben.

3,2 Liter machen glücklich

Das was unter der Motorhaube werkelt ist etwas ganz besonderes und macht sowohl den Fahrer als auch den Tankwart glücklich. Aber der Reihe nach. Satte 3,2 Liter Hubraum sind es die den Selbstzünder zu 190 PS bewegen. Das ganze bei einer Maximaldrehzahl bei der Fahrer anderer Wagen noch nicht einmal an den Schaltvorgang denken. Die Nennleistung liegt bereits bei 3.500 u/min an wobei das maximale Drehmoment bereits bei 2.000 u/min zur Verfügung steht. Logisch, dass dies ein klassisches Wanderautomatikgetriebe managed. Ist bei diesem dann der fünfte Gang erreicht liegen knappe 180 km/h an. Schön ist was anderes denn der Wohlfühlbereich des Pajero 3.2 DI-D liegt irgendwo zwischen 90 – und 120 km/h. Gleitet der Wagen so durchs Land springt die Verbrauchsanzeige auch schon einmal unter die 10 l/100 km Marke. Ansonsten zeigt das antiquarisch wirkende Display des Bordcomputer stolz eine zweistellige Kennziffer.

Mitsubishi Pajero

Ein Satz noch zum Start des Boliden. Ist der Motor über Nacht ordentlich ausgekühlt, dauert es einige halbe Sekunden bevor sich die vier 800 ccm großen Brennräume zur Selbstzündung des Dieselkraftstoffes überraschen lassen. Herrlich, wie in dieser Phase der ganze Wagen kurz durchgerüttelt wird. Downsizing ist Schwachsinn für andere!

Permanenter Allradantrieb

Die oben erwähnten 2,0 Tonnen des Pajero kommen nicht von ungefähr. Alle Bauteile sind eine Spur massiver und stärker als es im „normalen“ PKW-Bereich üblich ist. Allein das Getriebe mit seinen Untersetzungen spricht hier Bände. Im Normalzustand fährt der Pajero mit permanentem Allrad über Asphalt sowie Stock und Stein. Wer will könnte dabei den Vorderachsantrieb abschalten. Haben wir aber nicht gemacht. Auch nicht in einem schlammigen Steinbruch. Dank Bergabfahrhilfe sind wir dort mit zugeschlammten Reifen für einige Minuten Videodreh sicher angekommen.
Für den Rückweg musste es dann mindestens der Allradantrieb mit gesperrtem Hinterachsdifferential sein. Als Backup wäre hier noch eine weitere Unterstützung des Antriebsstranges möglich gewesen. Auch wenn die montierten Straßenreifen hier der Flaschenhals des Vortriebs waren war diese finale Untersetzung jedoch nicht nötig.

Uriges Interieur

Keine Frage, der Pajero polarisiert. Einige Mitmenschen schlagen, ob des ungewohnten Interieurs, die Hände über dem Kopf zusammen. Andere akzeptieren den Auftritt des Pajero und finden kultigen Charakter einfach klasse. Zum Kultcharakter des Pajero tragen mehrere Details bei.
Zum einen das sofort ins Auge fallende Lenkrad. Zwischen der 10 und 2 Uhr Position strahlt dem Fahrer hier ein im Stil eines Holzlenkrades Polyamid entgegen. Das gleich auch rund um die 6 Uhr Position wobei der Rest des Lenkrads mit Leder versehen ist. Ungewöhnlich, aber die perfekte Lösung um mit einem Fingerring im Takt der Musik mitzuklopfen.
Genauso ungewöhnlich ist das Display des Bordcomputers. Hier werden einzelne ca. 1, 5 x 1,5 Millimeter große Pixel zur Darstellung der Verbrauchsangaben aneinander gereiht. Das ganze wirkt im Zeitalter von hochauflösenden TFT-Displays im Tachobereich so kultig das es einfach nur als liebenswert benannt werden darf.

Wirklich unkomfortabel ist der Pajero dabei nicht. Die bequemen Ledersitze, elektrische Fensterheber sowie die Einzonen-Klimaautomatik sind bewährte Elemente und laden zum Kilometer machen ein. Auf der Rückbank dagegen fehlen einige Komfortmerkmale. Hier sitzen Passagiere mit recht angewinkelten Knien und hecheln der durch Ausstellfenster zugefächelten Luft hinterher.
Apropos Rückbank. Leider geht Mitsubishi hier noch immer den Weg eines völlig Sinnfreien Isofix-Konzeptes. Sind zwei Kindersitze per Isofix befestigt, fehlen die Gutschlösser der beiden Passagiere. Mehr als unglücklich angebracht, werden diese von beiden Sitzen verdeckt. Unmöglich die Kinder so per Dreipunktgurt anzuschnallen. It’s a feature – not a bug. Es wäre an der Zeit dazu mal einen Produktverantwortlich von Mitsubishi zu befragen.

Bevor es zum Ende des Artikels kommt noch der Hinweis auf eine echte Spezialität des Mitsubishi. Schon der kurze von uns getestete Dreitürer darf satte 2.800 kg ziehen. Der ebenfalls erhältliche Fünftürige Pajero sogar bis zu 3.0 Tonnen. Warum? Weil er es kann!
Im Video fragen wir übrigens was es für Anwendungen gibt die diese Gewichte aufrufen?
Eine Herde Ponys? Ein Kuhstall der umzieht? Zwei Elefanten?
Keine Ahnung! Wenn euch etwas einfällt, schreibt es in die Kommentare.

Mitsubishi Pajero

Fazit

Einfach so ein Fazit über den Mitsubishi Pajero 3.2 DI-D zu schreiben fällt dann doch etwas schwerer als vermutet. Die Eindrücke waren doch deutlicher positiver als der Wagen seinen Papierwerten nach zulässt.
Der massive Auftritt gepaart mit dem urigen Interieur sowie den krassen Fahrleistungen lassen Vernunftsmenschen das Weite suchen. Bauchmenschen werden den Pajero lieben und so akzeptieren wie er ist. Schön wenn es dann noch einen dicken Anhänger im Haus gibt ;-)

Noch mehr Mitsubishi Pajero

Vor knapp zwei Jahren hatten wir den großen, Fünftürigen, Pajero bereits hier. Basierend auf diesen Erfahrungen sind einige Details in diesem Artikel hier nicht doppelt erwähnt. Schaut mal in dem anderen Artikel, allein schon wegen den Fotos der Wasserdurchfahrt ;-)

Praxistipp

Kleiner Tipp für die Geländefraktion hier. Wenn ihr mit dem Auto gerade so richtig in der Matsche unterwegs gewesen seid, denkt mal darüber nach einen kleinen und mobilen Akkustaubsauger an Bord zu haben. Mir hat direkt nach dem Ausritt durch den Steinbruch ein Black & Decker Staubsauger sehr gute Dienste geleistet. Nimmt kaum Platz weg und hilft auch beim beseitigen der unleidlichen Blütenpollen sehr gut. Falls dies auch ein Thema für euch sein könnte, schaut mal im Staubsauger-Testportal vorbei. Dort hatte der Sauger gute Noten und macht bis heute einen guten Job.

Ähnliche Artikel

Hinterlasse ein Kommentar