On- und Offroad mit dem VW Amarok Aventura V6 TDI

So schnell kann es gehen. Erst vor wenigen Tagen hatten wir eine Pressemeldung von VW über den Amarok Pickup als Thema (hier geht es zum Artikel) und – schwups – sitzen wir in selbigem.

VW Nutzfahrzeuge (VWN) hatte zu einer dynamischen Testfahrt eingeladen, um den nun mit einem V6 Dieselmotor bewaffneten Amarok auf Herz und Nieren zu testen zu können.

Wie schon in dem vorherigen Text beschrieben, hat VWN sich nicht lumpen lassen dem Amarok zahlreiche Neuerungen mit auf den Weg zu geben. Dabei war schon sein seit 2009 gebauter Vorgänger kein Kind von schlechten Eltern, wie ein weltweiter Absatz von 455.000 Einheiten zeigt.

VW Amarok Aventura V6

Zahlreiche Neuerungen unter dem Blech

Den neuen Amarok nun als reines Facelift zu bezeichnen, wäre zu einfach. Neben einigen kosmetischen Änderungen sind es die inneren Werte die den Pickup auszeichnen. Allem voran natürlich die neue Motorisierung. Endlich wurde dem Wunsch zahlreicher Käufer und Interessenten entsprochen, woraus nun ein 3,0 L V6 Turbodiesel den Weg unter die Haube gefunden hat.

VW Amarok Aventura V6

Dieser Motor ist uns nicht unbekannt, wird er doch in seinen Grundzügen im VW Konzern bereits angeboten. Einmal im Audi Q7 (hier ist der Fahrbericht) und auch im VW Touareg (hier geht es zum Fahrbericht). Bis auf die unterschiedlichen Leistungsangaben klingen die Aggregate auf dem Papier relativ identisch. Dabei unterscheiden sich die Motoren in zahlreichen offensichtlichen und weniger offensichtlichen Details.

VW Amarok Aventura V6

Diese Veränderungen ergeben sich schon alleine durch die unterschiedlichen Verwendungszwecke der jeweiligen Fahrzeuge. Während im Q7 und Touareg die Antriebsstränge eher auf hohe Reisegeschwindigkeiten ausgelegt sind, bietet der V6 im Amarok gnadenlosen Durchzug und Drehmoment ab Leerlaufdrehzahl an.

Drei Motorvarianten bietet VWN dabei an:

3,0 L V6 TDI mit 163 PS (120 kW)

3,0 L V6 TDI mit 204 PS (150 kW)

3,0 L V6 TDI mit 224 PS (165 kW)

Bei letzterem Aggregat fällt der Vergleich mit den stärker motorisierten SUV schwer. Der Audi liefert in seiner stärksten Ausbaustufe 272 PS und stemmt 600 Nm während der Touareg 262 PS und 580 Nm bereitstellt. Der Amarok kommt hier mit weniger Leistung aus.

Weniger ist mehr – ist langlebiger

Dies umschreibt den Ansatz im Amarok. Bewusst nur mit einem Turbolader bestückt, soll die Leistungsreduzierung dem Touareg mehr Reserven bieten. Dazu passt auch, dass VWN die Ölmenge des Motors auf 9,5 Liter erhöht hat. Dieser kosmetisch erscheinende Eingriff ist einer der Umstände, die Serviceintervalle auf satte 40.000 km anzuheben.

Auch durch weitere Anpassungen am Antriebsstrang soll der Amarok ein Plus an Langlebigkeit erzielen. Die Über-/Untersetzungen des 8-Gang Automatikgetriebes verhelfen dem Wagen so zu respektablen Fahrleistungen fernab von materialfressenden Drehzahlorgien. Und so bleibt der Dauerläufer mit seiner angegebenen Höchstgeschwindigkeit von 193 km/h ein ganzes Stück von den Konzernbrüdern und -cousins entfernt. Macht aber nichts, kann der Amarok doch ganz anders auftrumpfen.

VW Amarok Aventura V6

Nutzlast ist hier das Zauberwort. Trotz das die VW Pickups locker die 2 Tonnen Gewichtsgrenze (2,2 to beim Amarok Highline und 2,3 to beim Aventura) überschreiten, können die sympathischen Kollegen noch ordentlich zuladen. Seien es Euro-Paletten die quer auf die Ladefläche passen oder eine Tonne Zuladung die sich auf der Pritsche verzurren lässt.

Wem das noch nicht reicht, der hängt einfach noch einen Anhänger an den Amarok und bepackt diesen dann mit weiteren 2,8 – 3,5 to (gebremst).  Mit letzterem Szenario, einem mit 2 to Schotter beladenen Anhänger, konnten wir uns selber ein Bild machen.

VW Amarok Aventura V6

Beeindruckend wie der Amarok selbst mit dieser Last nach vorne geht wobei es zwingend nötig wäre ein Warnsignal beim erreichen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit zu bekommen ;-)

Bei der anschließenden Vernichtung der Geschwindigkeit zeigen sich die mächtigen, innenbelüfteten, Scheibenbremsen (v + h) als gnadenlos. Dabei bleibt der Tross locker in der Spur und wird weder zappelig noch nervös.

Bewährte Interieur Komponenten

Bevor es mit dem Amarok Aventura ins Gelände geht, heisst es einen Blick auf das Interieur zu werfen. Wirkliche Neuerungen hier zu finden wäre vergebene Liebesmüh. Allerdings ist dies auch nicht nötig, schließlich soll der Amarok eine Klientel bedienen der es auf Zuverlässigkeit und Funktionalität ankommt.

Beides beherrscht der VW Pickup perfekt und die Insassen freuen sich über heimeliges PKW Feeling.

VW Amarok Aventura V6

Dabei hat VW aber nicht vergessen, ein Augenmerk auf die Konnektivität des Amarok zu legen. Blitzschnell ist das iPhone ins Fahrzeug integriert und dank Apple CarPlay kümmert sich die sprachgesteuerte Siri um die Belange des Fahrers. Ähnlich wird es auch für Android User aussehen. Welche Möglichkeiten VW im Rahmen von CarNet bietet zeigen diese beiden Artikel (Artikel 1 & Artikel 2) hier im Blog auf.

VW Amarok Aventura V6

VW Amarok Aventura V6

Was weiterhin positiv auffällt ist die Armada von Ablagefächern und 12-Volt Steckdosen. Ist der im Instrumententräger verbaute USB-Anschluß besetzt stehen so noch weitere Möglichkeiten zur Verfügung, Telefone, Kühlboxen oder elektrisches Equipment mit Strom zu versorgen.

VW Amarok Aventura V6

Einmal in den hochbeinigen Wagen geklettert und auf den 10-fach verstellbaren Ergo-Sitzen Platz genommen kommt sofort Heimspielatmosphäre auf. Der Amarok zeigt sich so übersichtlich wie es für einen Pickup eben möglich ist. Nach vorne und zur Seite gibt er sich wie ein normaler SUV/PKW, nach hinten versperrt die Ladefläche den Blick auf das Fahrzeugende.

Natürlich hat VW hier eingegriffen und zahlreiche PDS (Park Distanz Sensoren) sowie eine hochauflösende Rückfahrkamera verbaut. Ist dann eine ausreichend große Parklücke gefunden lässt sich der gutmütige Dicke sicher einparken.

VW Amarok Aventura V6

Alle Bedienelemente und Schalter sind da wo sie hingehören und wo man sie vermutet. Einzig der weitere Verzicht auf eine Keyless Funktion zum starten des Motors stößt hier etwas auf. So muß noch immer der Schlüssel aus der Hosentasche gefummelt werden um diesen in das Zündschloß zu verbringen. Hier wäre eine andere Lösung mehr gewesen.

Exterieur – Colt Seavers lässt grüßen

Was gibt es über das Exterieur des VW Amarok zu sagen? Es ist ein herrlich fetter Wagen :D

Juhu – endlich mal wieder ein Auto, welches tief in Papas Herz für einen Endorphin Ausstoss vom Kaliber einer mittleren Flutwelle sorgt.

VW Amarok Aventura V6

Ein mächtiger, fast senkrechter, sehr dynamisch wirkender Kühlergrill zieht dabei den Blick als erstes auf sich. Viel Chrom, ein mächtiges VW Logo und breite Leisten prägen diesen. Rechts und Links die beiden LED/Bi-XENON Scheinwerfer. Alles wirkt sehr stimmig und entspricht der aktuellen VW Designsprache.

Von der Seite betrachtet macht der Amarok nicht weniger Spaß. Hier stechen die 20″ Zoll Räder des Launchmodells Aventura ins Auge. Der dynamische Eindruck des Amarok zieht sich auch bei dieser Perspektive weiter, wobei gerade die vier, auf der optionalen Lightbar, angebrachten Scheinwerfer für einen Hüpfer von Papas Herz sorgen. Da klingt es schon wieder im Hinterkopf. Der Song aller Pickups-Fahrer. „The Unknown Stuntman“

VW Amarok Aventura V6

Schnell zum Heck des 5,25 m langen Giganten. Hier fällt mit einem satten Klack die typische Pickup-Ladeklappe nach unten und lädt zum spontanen Sit-in ein. So leicht und zart diese auch wirken mag, stramme 200 kg können auf ihr Platz nehmen. Ideal also, um so am See sitzend ein Feierabend Kaltgetränk zu schlürfen.

VW Amarok Aventura V6

Neben der Sitzgelegenheit soll die Ladeklappe aber natürlich die 1,55 m Ladefläche (Doppelkabine) verschließen. Wie schon erwähnt kann auf dieser eine Europalette quer verladen werden. Ein Novum und Alleinstellungsmerkmal im Pickup Bereich. Die gut einen halben Meter hohe Ladebordwand war bei unserem Tester mit einem waagrecht laufenden Rollo zu verschließen. Weitere Lösungen zur Ladungssicherheit wären hier feste Ladedeckel oder Cargo-Boxen, wobei letztere natürlich die herrliche Pickups-Optik eliminieren.

Auf ins Gelände

Aber genug der statischen Bewertung des VW Amarok, schließlich sind wir zu einer dynamischen Fahrveranstaltung eingeladen und dabei soll der Amarok auch im Gelände zeigen was er kann. Nach einer kurzen Einweisung bezüglich der Verwendung der mechanischen Differentialsperre geht es dann auch schon los. Eine umgestaltete und von der VW Driving Experience präparierte Kiesgrube soll der Spielplatz von heute sein.

Noch klingen die Worte des Instruktors in den Ohren: „… fahr mit ca 1.500 U/min in die Steigung ein und schau dann mal wie der Amarok nach vorne geht!“

Nach vorne geht er eigentlich gar nicht, eher steil nach oben. Die Rampe die er gerade ohne die geringsten Schwierigkeiten meistert wäre für einen Fußgänger ohne Kletterseil nicht zu bewältigen. WOW

Das zuschalten der mechanischen Diff-Sperre war nicht nötig, denn hier griff die elektronische Adaption einer solchen Sperre perfekt ein und leitete die Antriebskräfte so um, dass es ohne Wheelspin Richtung Himmel gehen konnte. Selbst das zuschalten des Off-Road Modus konnte an dieser Stelle ausbleiben.

Eine der Hauptfunktionen des gerade erwähnten Geländeassistenten ist eine Veränderung der ABS-Regelung. Wollen wir bei Straßenfahrten ein Blockieren der Räder absolut vermeiden, ist dies im Gelände ein gut zu nutzender Effekt.

Gerade bei steilen Abfahrten auf Kies oder Schotter liefert so ein für OffRoad Einsatz optimiertes ABS einiges an zusätzlicher Sicherheit. Im Detail werden durch eine längere Bremsphase die Vorderräder bewusst zum blockieren gebracht, wodurch sich ein kleiner Keil aus Kies und Geröll vor dem Rad aufbaut und dieses besser verzögert.

Dabei hält der OffRoad Modus den Wagen konstant in der gleichen Geschwindigkeit wie bei Beginn der Abfahrt.

Aber der Gelände Parcours hat noch einiges mehr als knackige Auf- und Abfahrten zu bieten. Eine der weiteren Sektionen sollte die Fähigkeit des Amarok aufzeigen, die Vorder- zur Hinterachse zu verschränken. Hierzu musste natürlich die mechanische Diff-Sperre konsultiert werden. Und so ging es dann im Schritttempo, über diagonal versetzte und gut und gerne, 40 Zentimeter hohe Buckel. Kein Problem. Auch wenn hier eines der Räder komplett in der Luft ist, gewährleistet die Diff-Sperre den kontinuierlichen Kraftfluss zu allen anderen Rädern. Und so geht es dann konsequent über Stock und Stein immer weiter.

VW Amarok Aventura V6

Das der Amarok auch Schrägfahrten beherrscht bewies eine der folgenden Sektionen. Links die Rampe hoch und dabei noch eine 90° Kurve fahrend ging es so in einem Winkel daher, den weder Kopf noch Magen auf Dauer lustig fanden. Puuuh :-(

Aber egal, als Autoblogger muss man auch dieses ertragen können. ;-)

Zum Abschluss sollte eine kleinere Buckelpiste die Steifigkeit der im Amarok genutzten Leiterrahmentechnik verdeutlichen. Die kleinen Geländeunebenheiten waren gerade so hoch, dass alle vier Räder den Boden berührten. Allerdings waren in diesem Zustand jeweils ein Vorder- und ein Hinterrad stark eingefedert. Der ganze Wagen ist so quasi verspannt.

VW Amarok Aventura V6

Während andere SUVs hier mit klemmenden Türen und knarzenden Karosserien aufwarten, zeigt sich der Amarok völlig unaufgeregt. Tür auf, aussteigen, begutachten, staunen, einsteigen und weiter!

Einen sehr ansehnlichen Event zum Thema der Offroad-Fähigkeiten des VW Amarok konnte Bloggerkollege Matthias erleben. Hier schildert er seine Eindrücke über einen Tag des Offroadfahrens im VW AmarokTag des Offroadfahrens im VW Amarok.

Fazit

Der VW Amarok übertrifft unsere Erwartungen um ein vielfaches. Sei es der grandiose V6 TDI der vor Kraft kaum laufen kann, die großzügigen Platzverhältnisse im Innenraum oder die dort angebotene PKW Optik.

VW Amarok Aventura V6

Gleichzeitig legt er überzeugende Fahreigenschaften auf der Straße, ob solo oder mit Hänger, zur Schau. Das berühmte i-Tüpfelchen sind allerdings seine Qualitäten im Gelände. Somit zeigt sich der Amarok als echter Allrounder und stellt eine gute Wahl sowohl für sportlich ambitionierte Familien als auch für Malocher, die im Wald und Wiese arbeiten oder als Bauleiter über Stock und Stein jagen.

Der VW Amarok heimst so bei uns den Award des Papa will haben ein :D

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Ein Kommentar

  1. Neuer VW Amarok Aventura Test Fahrbericht mit V6 | Autogefühl
    22. September 2016 zu 21:24 Antworten

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