Smarte Langläufer – VW e-Golf und VW Golf GTE

Smarte Langläufer – VW e-Golf und VW Golf GTE

Mal ein ganz anderes Artikel-Intro. Mit einem Witz am Anfang.

Kommt ein e-Golf Fahrer zum Wartungsdienst. Auf die Frage des freundlichen Service Mitarbeiters, was dem Wagen den fehlen würde antwortet der Fahrer: „Mein Wagen leidet am Winterkorn!“

Naja, ein Gassenhauer ist dies nicht beschreibt aber das Dilemma eines e-Golf Besitzers auf den Punkt. Sein Auto liefert nicht das gewisse Statement das zum Beispiel einen BMW i3 zum e-Auto markiert. Und wer wollte nicht, dass der e-Golf das vertraute Design der Golf Baureihen verlässt um optisch herauszustechen?

Richtig, der Herr Winterkorn, seines Zeichens ehemaliger Vorstandsvorsitzender der VW AG.

VW e-Golf

Und so muss der VW e-Golf eben mit seinen inneren Werten überzeugen. Und um dabei nicht auf der sprichwörtlichen Strecke zu bleiben, legt der aktuelle e-Golf in Sachen Reichweite ordentlich nach. Aber nicht nur mit seinen innersten Werten kann der PA (Produkt Aufgewertete) Golf nach drei Jahren Modell-Laufzeit punkten.

Äußerlich zeigt er sich richtig schick mit exklusiv blauen Zierleisten und LED-Scheinwerfern (Serie). Stramme 35.900 Euro verlangt der freundliche VW Händler für den Tausch gegen Schlüssel und Papiere. Dafür gibt es dann auch eine mehr als ordentliche Reichweite, welche von 190 km auf, von VW genannte, 300 km ansteigt.

VW e-Golf

Okay, hier liegt natürlich wieder ein NEFZ regulierter Laborwert vor. Aber selbst wenn man realistisch ein gutes Drittel abzieht sind 200 km ein noch immer mehr als passabler Wert. Wo diese Differenz herkommt wollen die Damen und Herren aus Wolfsburg gar nicht schön reden sondern deklarieren dies als „kundenrelevantes Jahresmittel“. Gemeint ist damit die Fahrweise, wetterbedingte Nutzungen von Heizung oder Klimaanlage oder anderer elektrischer Verbraucher.

Okay, die 200 km selber testen konnten wir nicht sondern verlassen uns dabei auf die Aussage von Bloggerkollegen Thomas von autogefuehl.de welcher die Kilometer auf der Insel Mallorca mit dem e-Golf abspulte. Dabei legte er bei entspannter Fahrweise knappe 100 km zurück welche der Bordcomputer mit knapp 15,4 kWh quittierte. Hochgerechnet auf die neue, gesteigerte Batteriekapazität (von 24,2 auf 35,8 kWh) sind so die genannten 200 km mehr als realistisch.

Dabei zeigte sich ein cleveres Assistenz-, genau gesagt Navigationssystem, als sehr hilfreich. Ähnlich wie im Audi Q7 (siehe unseren Artikel zum Audi Q7) nutzt dieses System Streckendaten um den Fahrer zu informieren und so Strom zu sparen. Das GPS- und Kartenbasierte System weist den Fahrer per Display beispielsweise auf eine nahende Kurve, Kreisverkehr, Stoppschild usw. hin.
Zeit genug, um so informiert den Fuß vom Gas zu nehmen und die Akkus per Rekuperation aufzuladen.

Die nächste Aufwertung zielt auf den Elektromotor ab. Im ersten e-Golf kümmerte sich ein 85 kW (115 PS) E-Motor um den Vortrieb des gut 1,6 Tonnen schweren Gerätes. Im aufgefrischten e-Golf des Modelljahres 2017 stieg die Leistung auf 100 kW (136 PS) womit dem Wolfsburger E-Mobil recht passable Fahrleistungen ermöglicht werden. Möglich machen dies satte 290 Nm (20 Nm mehr als beim Vorgänger), ein Wert von dem manch TSI Motor nur träumen kann. Und so wie wir es von der heimischen Carrera Bahn her kennen, liegt die Leistung ab der ersten Millisekunde an und lässt den e-Golf nach vorne schnellen.

Daily Driver VW e-Golf

Diejenigen die mich besser kennen, wissen das ich um E-Autos gewöhnlich einen Bogen mache. Einer meiner nicht ganz ernst gemeinten Standardsätze dabei ist: „… ich bin gelernter Kfz.-Mechaniker und kein Elektriker!“

VW e-Golf

Dabei muss ich sagen, dass Fahrten im E-Auto nicht immer langweilig sein müssen. Während des kurzen Kennenlernens in Mallorca machten die wenigen Kilometer wirklich Spaß. Gleichmäßiger und leiser stellt kein Motor seine Leistung bereit. Volkswagen nennt hier Beschleunigungswerte von 6,9 Sekunden für den 0 – 80 km/h Sprint wobei nach 9,6 Sekunden Tempo 100 km/h erreicht ist. Ins Off läuft der e-Golf bei, von VW abgeregelten, 150 Stundenkilometern. Nicht weil es nicht schneller ginge sondern einfach um den Stromverbrauch nicht ins Bodenlose steigen zu lassen.

Genauso wie ein Bleifuß kostet auch die Heizung im Winter ordentlich Energie. Grund genug für die VW-Ingenieure eine Wärmepumpe zu entwickeln. Diese nutzt Wärme der Antriebskomponenten als auch der Umgebungsluft. Laut VW sorgt allein die Nutzung dieser neuen Pumpe für eine Energieeinsparung von 30 %.
Leider sorgt der neue Akku des e-Golf aber für ganz andere Probleme. Die Aufladung der rund 345 Kilogramm schweren Batterie dauert an einer Hausüblichen 2,3 kW Steckdose unendlich lange 16 Stunden. Zu lang für Pendler die abends den Wagen anstöpseln und morgens die volle Reichweite benötigen. Abhilfe schafft hier nur eine rund 900 Euro teure Wallbox. Sie befeuert den E-Golf mit rund 11 kW und schafft es so kurze Ladezeiten zu ermöglichen.

VW e-Golf

Noch schneller können dies nur öffentliche Ladesäulen die bis zu 40 kW Ladestrom bereitstellen. Dadurch dauert die vollständige Aufladung der Batterie nur noch knapp eine Stunde. Volkswagen bietet seinen Kunden für diesen Genuss eine sogenannte Charge & Fuel Card. Mit dieser kostet bei minutengenauer Abrechnung Wechselstrom (AC) 0,95 Euro/h und Gleichstrom (DC) 11,90 Euro die Stunde. Rock-n-roll Baby! Eine eigene App zeigt im Smartphone die Standorte der entsprechenden Ladesäulen.

Wie von VW gewohnt gibt es zum e-Golf ein erstklassiges Servicepaket. Steht eine Fahrt an die die Reichweite des E-Mobil sprengen würde, steht dem Fahrer eines VW e-Golf ein kostenloser Mietwagen zur Verfügung. Ganze 30 Tage pro Jahr innerhalb der ersten beiden Jahre nach Zulassung. Egal welches VW Modell, ausgenommen den Touareg. Dabei ergeben sich die Freikilometer abhängig von der Leihdauer wobei es keine Rolle spielt ob es ein Tag, eine Woche oder die 30 Tage am Stück sein sollen. Wer die 30 Tage am Stück bucht kann so satte 4.000 Kilometer.

Auch Benjamin Brodbeck vom Blog Automativ war bei der Fahrveranstaltung und schildert seine Eindrücke zum VW Golf GTE hier.

PHEV VW Golf GTE

Nicht unterschlagen werden soll der VW Golf GTE. Mit seiner Namensgebung ganz klar den sportlicheren Gölfen wie GTD und GTI zugeordnet überzeugt er mit seiner Vielseitigkeit.

VW Golf GTE

Auf der einen Seite der E-Antrieb, welcher für 50 km gut sein soll und auf der anderen Seite der 1.4 TSI Motor als Backup. Während unserer Testfahrt konnten wir mit dem VW Golf GTE satte 34 km rein elektrisch zurücklegen. Mit weniger Spieltrieb und Vollgasfahrten wären noch ein paar Kilometer mehr drin gewesen.

Das flotte Anfahren macht mit dem GTE schon Spaß, zerren doch insgesamt 204 PS an dem optisch unverwechselbaren Semi-Sportler.

Wie schon beim rein elektrischen e-Golf unterstützt auch der GTE den Fahrer im Bemühen Energie zu sparen. Dazu liefert auch der GTE Informationen bezüglich der Streckenbeschaffenheit und animiert den Fahrer so den im Heck verbauten Energiespeicher zu schonen.

Übrigens findet ihr hinter diesem Link einige Zeilen zum VW Golf R und VW Golf GTI Performance.

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Ein Kommentar

  1. VW e-Golf Facelift mit mehr Reichweite vs BMW i3 | Autogefühl
    5. April 2017 zu 23:13 Antworten

    […] Mehr zum e-Golf auch hier. […]

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